L ´Alpine Classique – Oldtimer-Erlebnis mit Dress Code


Eine Oldtimer-Veranstaltung, bei der sich alle an einen Dress Code halten, gibt es nicht nur bei Lord of March im englischen Goodwood. Auch im französischen Skiörtchen Chamrousse zelebrieren Enthusiasten zeitgenössische Mode der dreißiger bis sechziger Jahre – in Kombination mit historischem Skifahren und Oldtimern. Werk 1 war nicht nur dabei, sondern mittendrin.

L ´Alpine Classique heißt der Zaubername, der zu einer charmanten Veranstaltung auf 1750 Höhenmetern führt, nur wenige Tage vor Frühlingsanfang. Sébastien Chirpaz, der die Historie mit all ihren Facetten liebt, scharte bereits zum dritten Mal Gleichgesinnte um sich, um drei Tage lang stilecht gekleidet die Historie zu leben. So fasste auch Tobias Aichele Anfang des Jahres der Entschluss, vom 17. bis 19. März 2017 in diese besondere Welt einzutauchen und dafür die 650 Kilometer lange Anreise unter die Räder zu nehmen. Auch mit der Prämisse, dass die Vorbereitungen für ein Treffen zum Winter-Ende in den Bergen weit aufwendiger sind, als für ein Sommertreffen; zudem mussten fest verankerte Konventionen über Bord geworfen werden. Doch nun der Reihe nach.

Ein Porsche musste es schon sein, möglichst ein 911. Der Wunschkandidat war auch schnell ausgemacht, ein 1967 911 L mit 110 PS, eines der letzten Ur-Modelle, noch mit kurzem Radstand. Denn, schöner kann man den 50. Geburtstag eines Automobils kaum feiern, als bei einer ganz besonderen Veranstaltung.
Im Weg stand folglich nur noch die Maßgabe, mit einem Oldie niemals bei Salz und im Winter zu fahren. Das Unfallrisiko und die hohe Wahrscheinlichkeit, sich Steinschläge einzufangen ist zu dieser Jahreszeit einfach viel zu hoch. Also, weg mit diesen verkrusteten Regeln und volle Konzentration auf die Vorbereitungen.

Holz-Skier aus den sechziger Jahren standen sogar noch im Keller der väterlichen Ferienwohnung – zufällig sogar in Rot, bestens passen zum Signalrot des 911. Nur, wie befestige ich diese an dem Wagen? Der 911 hat keine Dachrinne für einen Spannverschluss wie die Limousinen dieser Ära. Und Heckgepäckträger gab es nur für den 356. Außerhalb der Porsche-Welt aber zeichnete sich eine Lösung ab. Auf dem Dachboden war noch ein 40 Jahre alter Gepäckträger mit vier Saugnäpfen eingelagert. Dieser wurde mit gebogenen Blechhaltern, welche über Gewindestangen gekontert wurden, zusätzlich gesichert.
Bei herrlichem Sonnenschein fuhren wir durch die Schweiz nach Grenoble und dann nochmals rund 120 Kilometer südöstlich nach Chamrousse. Noch vor dem Pass zu dem Skiörtchen war von Schnee weit und breit nichts zu sehen, obwohl die WebCam noch vor wenigen Tagen starke Schneefälle verkündet hatte. Sollte der Part historisches Skifahren aufgrund der Wetterlage entfallen? Nein, je höher wir uns schlängelten, desto mehr Schneeflächen waren vorhanden und die Bedenken konnten fallen gelassen werden. Auf 1750 Metern Höhe schließlich waren alle Skilifte in Betrieb und es herrschte reges Treiben.

Während der ganzen L´Alpine Classique wurde unser 50 Jahre alter Neunelfer als Sympathieträger wahrgenommen und gefeiert. Und wie gut der 911 letztendlich ankam, zeigte sich spätestens bei der Siegerehrung am Sonntag Nachmittag: Für die weite Anreise und unser stets stimmiges Outfit in Kombination mit diesem bildschönen Porsche, bekamen wir von Sébastien einen Ehrenpreis überreicht. Das war ein wirklich schönes Wochenende. Und übrigens: ich musste drei Tage lang nicht über Matching Number und Originalfarbe sprechen. Und somit fiel auch gar nicht auf, dass auch unser 911mit einem anderen Motor ausgerüstet wurde. Wir haben trotzdem gewonnen.

Im Modelljahr 1968 (1. August 1967 bis 31. Juli 1968) baute Porsche die letzten 911 mit kurzem Radstand, sie sogenannten SWB (Short Wheel Base). Es kamen ausschließlich Zweiliter-Motoren zum Einsatz. Das Werk 1-Auto, der sogenannte 911 L, wurde 1967 mit einem 130 PS-Triebwerk gebaut und Anfang 1968 über VW Pacific nach Kalifornien ausgeliefert. Die Stoßstangenhörner mit Gummipuffer sowie die getönte Rundumverglasung gehörten zur Sonderausstattung. Die Fahrzeuge des Modelljahrs 1968 entsprechen weitgehend dem Typ 911 der Vorjahre, wurden aber in der Innenausstattung dem 911 S angeglichen. Zahlreiche Features verbesserten die Sicherheit: Versenkte Türöffnungsknöpfe, Schwarz mattierte Scheibenwischerarme und –blätter, Befestigungspunkte der Sicherheitsgurte großflächiger, Aschenbechergriffe aus Gummi, blendenfreies und nachgiebigeres Amaturenbrett sowie eine Zweikreis-Bremsanlage. Erstmal waren auch Sportomatic-Versionen erhältlich.