Le Jog: Oldtimer-Rallye vom Cornwall bis Schottland


Fotos: © Francesco & Roberta Rastrelli / Blue Passion

Sie gilt fĂŒr Oldtimerfahrer als die hĂ€rteste ZuverlĂ€ssigkeitsprĂŒfung in Europa: Le Jog – „Land’s End to John O’Groats Classic Reliability Trial and Tour“. Die Veranstaltung der Historic Endurance Rallying Organisation (HERO) fand zum 23. Mal vom 8. bis 12. Dezember 2017 in Großbritannien statt. Von Land’s End, dem westlichsten Punkt Englands in Cornwall, fĂŒhrte die viertĂ€gige Rallye – teilnehmen konnten Klassiker, die vor 1986 gebaut wurden – bis nach John O’Groats, der nordöstlichen Spitze Schottlands. Harte Arbeit fĂŒr Oldtimerfahrer und ihre Copiloten.

Le Jog unterscheidet sich von anderen Rallyes, da es keinen Gesamtsieger gibt, aber bei jedem Kontrollpunkt Leistung abgefragt wird. Wer nicht punktet fÀllt vom Gold in den Silber Status. Auch aus Deutschland waren Teams bei diesem Oldtimer-Abenteuer dabei.

Mit der Nr. 1 startete das 1954 MG A CoupĂ© des langjĂ€hrigen Le Jog-„Experten“ Horst Pokroppa, der in diesem Jahr mit Arno Bauschert fuhr. Dicht gefolgt von einem gut ausgestatteten VW KĂ€fer, einem VW Golf GTI und einem Porsche 911. Entlang der WestkĂŒste England ging es zĂŒgig nach Norden – der Weg gespickt mit ZeitprĂŒfungen. Im Lovney Vallye auf einem schmalen, sehnigen StĂŒck Asphalt wurde es trickreich 
 wer hier nicht genau aufpasste, landete im Loop und die StreckenfĂŒhrung passte einfach nicht mehr. Das Team Thomas Koerner und Stephan Huber in ihrem leuchtenden BMW 3er Serie zeigte hier eine großartige Leistung. In Wales verkĂŒndete die Wettervorhersage schwere SchneefĂ€lle und Wind. Dennoch erreichten alle Teams das Ende der ersten Etappe.

Etappe zwei brachte große Herausforderungen. Besonders zu erwĂ€hnen ist das „Monster“ unter den ZeitprĂŒfungen mit zehn Kontrollen auf 20 Meilen. Hier teilte sich das Feld – auch dank der schwierigen Wettersituation – auf und am Ende waren noch sechs von ĂŒber 50 Teams im Gold-Status, sechs konnten Silber und vier Bronze halten.

Zum Start von Etappe drei – nach nur fĂŒnf Stunden und 45 Minuten Rast – waren die Teams schon ein wenig mitgenommen, aber voller Enthusiasmus. Nach den eisigen Winden im Herzen von Wales genoss man nun die ruhigere Fahrt. Hier begab sich die Rallye auf historische Pfade, denn schon die legendĂ€re RAC Rallye in den 1950er und 1960er Jahren fĂŒhrte durch dieses Gebiet. Besonders erwĂ€hnenswert ist die Strecke von Abbeystead und weiter zum Jubilee, bevor der mit Schafen ĂŒbersĂ€te Abstieg von Hare Appletree Fell nach Quernmore folgte. Nach weiteren Zeit-Tests folgte schließlich die atemberaubende schottische Landschaft. Enge Straßen und Haarnadelkurven forderten die ganze Aufmerksamkeit der Teams.

Die letzte Etappe der Le Jog Rally 2017 fand an der nordöstlichen KĂŒste Schottlands statt. 41 Teams starteten zur letzten Runde, die wegen des starken Schneefalls frĂŒher am Tag modifiziert werden musste. Der tiefe Schnee erwies sich als wirklich anspruchsvoller Test von Fahrer und Navigator. Beginnend an den Haarnadeln in der NĂ€he des Fairgaig Forest, schlĂ€ngelte sich die Route durch das enge Gassengewirr sĂŒdlich von Loch Ruthven. Die Navigation erfolgte ĂŒber JogularitĂ€t und Karte mit der Durchschnittsgeschwindigkeit in den oberen Zwanzigern, die Crews mussten weiterfahren, um pĂŒnktlich zu bleiben. Die zweite RegelmĂ€ĂŸigkeitsprĂŒfung des Tages war etwas sanfter.Nordwestlich von Alness in Dalreoch Wood waren die Straßen noch mit einer Raureifschicht bedeckt, und stellten eine Falle fĂŒr unvorsichtige oder schlecht vorbereitete Crews dar. Auf das Team von Mark Godfrey und Martyn Taylor erhöhte sich Druck, nachdem sie ihre Goldmedaille zurĂŒckerhalten. John und Robert Kiff hatten einen Sturmlauf in ihrem Volkswage n KĂ€fer und waren der Konkurrenz weit voraus in ihrer Klasse. Eis auf der Straße und Wild, das sich scheinbar nicht vor Oldtimern fĂŒrchtete, gehörten auf den letzten PrĂŒfungen zu den HĂŒrden.

Die Emotionen waren hoch, als die Crews bei John O’Groats die Ziellinie ĂŒberquerten. Die Dudelsackspieler Alastair und Michael sorgten fĂŒr entsprechende musikalische Untermalung, wĂ€hrend der blaue Himmel und die sanfte Brise die letzten weiß bedeckten Stunden weit in der Erinnerung zurĂŒck ließen.

David Hankin und Jake Ramsden kamen in ihrem Triumph TR4 als erste ĂŒber die Ziellinie. Le Jog 2017 wird als legendĂ€re Reise in Erinnerung bleiben, bei allen, die es geschafft haben einmal quer durch das Vereinigten Königreichs zu navigieren. Unvergessen sein wird die Kameradschaft der Mannschaften, die selbstlos anhielten, um anderen (einschließlich der Öffentlichkeit) zu helfen, die in Schwierigkeiten waren.

Dank an Francesco & Roberta Rastrelli von Blue Passion fĂŒr die wunderbaren Bilder. http://www.francescorastrelli.com/