Legenden des Motorsports am NĂŒrburgring


Mehr als 53.000 Zuschauer pilgerten am vergangenen Wochenende in die Eifel, um am NĂŒrburgring beim 41. Oldtimer Grand Prix dabei zu sein. LegendĂ€re und spektakulĂ€re Rennwagen aus neun Jahrzehnten aus der ganzen Welt ließen Meilensteine der Motorsport-Historie lebendig werden.


Sehen Sie hier das Video vom AvD Oldtimer Grand Prix 2013 ( Kamera: Alexandra Treptow )

Zwei Sportwagen-Highlights bildeten dabei einen besonderen Schwerpunkt: Das 90. JubilĂ€um der 24 Stunden von Le Mans wurde mit faszinierenden Fahrzeugen auf und neben der Strecke und der Anwesenheit von sechs Gesamtsiegern gewĂŒrdigt.
Ein halbes Dutzend Sieger der 24 Stunden von Le Mans gaben sich beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix die Ehre. Der mit fĂŒnf Siegen erfolgreichste im illustren Club gehörte zu den Hauptdarstellern im Bellof Tribute: Die britische Sportwagen-Legende Derek Bell erinnerte mit Demorunden im Porsche 956 an den vor 40 Jahren aufgestellten Rundenrekord seines damaligen Teamkollegen Stefan Bellof, der 1983 als erster und bis heute einziger Pilot einen Rundenschnitt von mehr als 200 km/h erzielt. „Seine schnellste Runde war fantastisch – ein Rekord, der in Stein gemeißelt war“, erklĂ€rte Bell die Leistung des 1985 tödlich verunglĂŒckten Gießeners, zu dessen Ehre ein Streckenabschnitt auf der Nordschleife in „Stefan-Bellof-S“ umbenannt wurde. Ein echtes Le-Mans-Siegerfahrzeug steuerte Joachim „Jockel“ Winkelhock am Wochenende um die Strecke. Er fuhr im Demo-Lauf von BMW das Fahrzeug, in dem er 1999 den Langstreckenklassiker gewinnen konnte.
Gemeinsam mit Winkelhock gingen weitere Ikonen im Zeichen der MĂŒnchner auf die Strecke, darunter auch der ehemalige BMW-Rennleiter Marc Surer, der jenen Brabham BMW BT52 Turbo pilotierte, in dem Nelson Piquet 1983 den ersten WM-Titel der Turbo-Ära in der Formel 1 holte. „Ich bin begeistert, wie diese Veranstaltung angenommen wird“, schwĂ€rmte Winkelhock. „Viele GĂ€ste die hierher kommen sind begeistert und jeder hat seine eigene Geschichte zu irgendeinem Fahrzeug zu erzĂ€hlen. Das ist richtig schön.“ Dies galt auch fĂŒr die Ă€ltesten fahrenden Rennwagen des Wochenendes, bei deren PrĂ€sentation der Wabilinger ebenfalls im Einsatz war. Er saß fĂŒr Demorunden unter dem Motto „Legenden der Opel-Motorsporhistorie“ am Steuer eines Grand-Prix-Wagens von 1913. Auch die weiteren Le-Mans-Sieger am NĂŒrburgring trugen mit EinsĂ€tzen im Renncockpit, Autogrammstunden und bei BenzingesprĂ€chen zur guten Stimmung bei. Marco Werner (dreifacher Le-Mans-Sieger) etwa pilotierte einen Formel-Junior-Cooper und freute sich â€žĂŒber dieses GefĂŒhl, mit einem Auto das Ă€lter ist als ich selber an die Wurzeln des Motorsports zurĂŒckzukehren. Viele Rennwagen hier erinnern mich auch an die ersten Rennen, die ich als kleiner Junge sah.“

Zu den weiteren Höhepunkten am Ring gehörte der Auftritt aller drei historischen Meisterschaften des Automobil-Weltverbandes FIA. In der FIA Masters Formula One Championship lebte die legendĂ€re „Cosworth-Ära“ der Königsklasse auf. Die FIA Masters Historic Sports Car Championship zeigte klassische Sportwagen der Jahre 1962 bis 1974, die Formel-Junior-Monoposti der FIA Lurani-Trophy ließen diese Nachwuchs-Klasse der Jahre 1958 bis 1963 auferstehen. Besonders seltene und kostbare Rennwagen servierten die Rennen der Vorkriegsfahrzeuge: Hier gab es etwa einen Bugatti 35C von 1927 zu bestaunen, der zum ersten Mal seit 85 Jahren wieder auf einer europĂ€ischen Rennstrecke lief. In den LĂ€ufen der zweisitzigen Rennwagen und GT bis 1960/61 wurde Le-Mans-Historie lebendig. Besonders das einstĂŒndige Rennen am Samstagabend faszinierte die Zuschauer – hier siegten Max Werner und Gabi Spangenberg in einem Fahrzeug, das an der Sarthe bereits FĂŒhrungsrunden sammelte: Der einmalige Ferrari 250 GT SWB „Breadvan“ war damals nach sechs Stunden ausgefallen, hielt aber beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix durch. Spangenberg erhielt fĂŒr ihren Einsatz sogar den vom legendĂ€ren zehnfachen Le-Mans-Teilnehmer Sir Stirling Moss gestifteten Sonderpreis fĂŒr die couragierteste Fahrweise. Besondere StĂŒcke – darunter gleich ein halbes Dutzend der berĂŒhmten Maserati 250F – konnten die Zuschauer im Lauf der historischen Grand-Prix-Fahrzeuge bis 1960 bestaunen. Aber auch die Herzen der Tourenwagen- und GT-Fans schlugen am Wochenende höher, die beim AvD-Historic-Marathon am Freitag ebenso auf ihre Kosten kamen wie beim DRM-Revival, dem BMW-Rennen oder den DemolĂ€ufen ehemaliger DTM- und STW-Fahrzeuge.