Mazda RX-7: König der Kreiskolben-Sportwagen


Das bis heute meistproduzierte Fahrzeug mit einem Kreiskolben-Motor – der Mazda RX-7 – feiert Geburtstag. Die Geschichte begann vor 40 Jahren mit einer spektakulĂ€ren, keilförmigen Sportwagensilhouette. Eine Erfolgsstory mit fast einer halben Million verkaufter Einheiten. Ebenso eindrucksvoll ist die Motorsportkarriere des Mazda RX-7 mit ĂŒber 100 Siegen.
Mit dem avantgardistischen 2+2-Sitzer setzte Mazda alles auf Anfang – ein mutiger Neustart des unkonventionellen Kreiskolben-Motors. Auf Hubkolben und Zylinder kann dieser Motor verzichten, stattdessen ersetzen rotierende Scheiben das Auf und Ab der Kolben mit dem Resultat außergewöhnlich vibrationsarmer Laufruhe, minimaler LĂ€rmemissionen, platzsparender Bauweise und geringen Gewichts. Der Erfinder Felix Wankel hatte die Kreiskolben- beziehungsweise Wankel-Motoren in den 1950er Jahren bei dem deutschen Hersteller NSU erstmals auf dem PrĂŒfstand getestet. Als weltweit erstes Serienfahrzeug mit Zwei-Scheiben-Kreiskolben-Motor ging aber 1967 der Supersportwagen Mazda Cosmo Sport 110 S in Produktion. Bis Mitte der 1970er Jahre wurden rund 900.000 Mazda Modelle mit Kreiskolben-Motoren verkauft, dann beendete die erste Energiekrise diese Erfolgsstory. FĂŒr die Mazda Ingenieure nur Herausforderung, den Kreiskolben-Motor im Rahmen des Entwicklungsprojekts Phoenix zu neuer Effizienz zu fĂŒhren. Im Sportwagen Mazda RX-7 konnte der nun um 40 Prozent effizientere, weiterentwickelte Kreiskolben-Motor des Typs 12A seine konstruktiven Vorteile erstmals besonders ĂŒberzeugend ausspielen.

Der flach gebaute, 4,29 Meter lange Mazda RX-7 war ganz auf den kompakt gebauten Zwei-Scheiben-Kreiskolben-Motor zugeschnitten. Anfangs genĂŒgten dem nur 1.045 Kilogramm wiegenden CoupĂ© mit großer glĂ€serner Heckklappe bereits 77 kW/105 PS fĂŒr veritable Sportwagen-Fahrleistungen. Ab 1981 waren es dann 85 kW/115 PS, die den RX-7 ĂŒber 200 km/h schnell machten und in 8,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h sprinten ließen. Damit dĂŒpierte der Mazda RX-7 auch deutlich leistungsstĂ€rkere Sportwagen und in Nordamerika bezwang er in den Verkaufsstatistiken zeitweise sogar seinen hĂ€rtesten Rivalen, den Porsche 924. Von beispielhafter ZuverlĂ€ssigkeit des Kreiskolben-Renners kĂŒndete die 80.000-Kilometer-Garantie, die fĂŒr den Mazda RX-7 in den USA serienmĂ€ĂŸig war.

Seine ultimative BewĂ€hrungsprobe bestand der Mazda RX-7 im Jahr 1981 bei einem der berĂŒhmtesten Langstreckenrennen, den 24 Stunden von Spa: Auf dem Ardennenkurs errang der Mazda RX-7 den Gesamtsieg gegen das versammelte Hubkolben-Establishment. FĂŒr die internationale Motorsportwelt war die ZuverlĂ€ssigkeit des 8.000 Umdrehungen entwickelnden Kreiskolben-Motors eine Sensation, fĂŒr Mazda war es nur ein weiterer Sieg des RX-7 in einer außergewöhnlichen Motorsportkarriere. Zum wirklichen Überflieger avancierte der RX-7 in den amerikanischen IMSA GTU-Serien, wo er von 1980 bis 1984 fĂŒnf Meisterschaften in Folge und ĂŒber 100 Siege errang. Auch fĂŒr Weltrekordfahrten bot der Mazda die beste Basis, wie ein speziell prĂ€parierter 296 km/h schneller RX-7 im Jahr 1978 mit einem Klassenbestwert auf dem Salzsee von Bonneville (USA) demonstrierte.

In Europa ergÀnzte der Mazda RX-7 diese Erfolgsserie um zwei Meistertitel in der britischen Tourenwagenserie BTTC. Hinzu kamen mehrere Starts bei den 24 Stunden von Le Mans, die den Gesamtsieg des Mazda 787B an der Sarthe im Jahr 1991 vorbereiteten und ein vielbeachteter Podiumsplatz bei der Rallye Akropolis 1985 als unbÀndig starker Gruppe-B-Bolide.
Bestwerte sammelte der ab 1979 in Deutschland angebotene Mazda RX-7 auch in den Produktionsstatistiken. Schon 1978 feierte Mazda mit einem roten RX-7 die Auslieferung des einmillionsten Fahrzeugs aus Hiroshima, das von einem Kreiskolben-Motor angetrieben wird. Mit insgesamt 478.565 Einheiten ist der bis 1985 gebaute Mazda RX-7 erster Generation (interne Serienbezeichnung SA22C/FB2) das weltweit meistproduzierte Modell mit Kreiskolben-Motor ĂŒberhaupt. In Deutschland genĂŒgten dem RX-7 rund 6.000 Einheiten fĂŒr Platz eins unter den SportcoupĂ©s mit Zwei-Scheiben-Kreiskolben-Motor.

Den Reiz des Besonderen bekam der Mazda RX-7 auf dem deutschen Markt aber auch als erstes Cabriolet mit Kreiskolben-Motor. Diesen Traum vieler Frischluftfans verwirklichte der deutsche Karossier KĂŒwe in Kooperation mit dem Umbauspezialisten Lorenz. TatsĂ€chlich sah der rassige RX-7 mit vollversenktem Verdeck verfĂŒhrerisch aus, allerdings kostete er fast doppelt so viel wie ein RX-7 CoupĂ©, was seine Auflage streng limitierte. Selten ist auch der Mazda RX-7 Turbo vom traditionsreichen britischen Tuner Elford Engineering. Insgesamt 540 Mazda RX-7 rĂŒstete Elford mit einem Garrett AiRResearch Turbolader aus und steigerte so die Leistung des Kreiskolben-Triebwerks auf 118 kW/160 PS. Derart nachgeschĂ€rft konnte es der RX-7 in den Beschleunigungswerten mit Supersportwagen aufnehmen.

Gleiches gilt fĂŒr den 121 kW/165 PS starken RX-7 Turbo, mit dem sich Mazda ab 1983 in Nordamerika bei den Kunden fĂŒr die Bestsellerkarriere des Klappscheinwerfer-Sportwagens bedankte. Nach Europa wurde der RX-7 Turbo offiziell nicht exportiert – mit einer einzigen Ausnahme. Im Jahr 1984 ĂŒbergab Mazda ein Exemplar dieses LeistungstrĂ€gers an Felix Wankel, den genialen Erfinder der Kreiskolben-Motoren.

Heute erlebt man die Faszination des Mazda RX-7 als erfolgreichstem Fahrzeug mit Kreiskolben-Motor auch in der Sammlung von „Mazda Classic – Automobil Museum Frey“. Mitten in der Augsburger Innenstadt lĂ€sst dieses Museum im Ambiente eines historischen Straßenbahndepots die Meilensteine der fast 100-jĂ€hrigen Unternehmensgeschichte von Mazda lebendig werden. Das runde JubilĂ€um des Mazda RX-7 feiert die Ausstellung mit einer einzigartigen Sportschau: Ob Serien-Sportwagen, Elford Turbo, KĂŒwe Cabriolet, Rallye-Bolide oder ein persönlicher RX-7 Turbo von Felix Wankel, fast alle Versionen des Fahrspaß-Garanten mit Kreiskolben-Motor sind vereint. Ebenso dabei sind Mazda RX-7 der zweiten und dritten Generationen, mit denen die sportliche Erfolgsstory fortgeschrieben wurde.