Messe – Auto e Moto d’Epoca im Wandel der Zeit


Es rumort im Norden Italiens, dem Land der Motoren und Automobile. WĂ€hrend die Absage der Motor Show in Bologna als das Ende der Veranstaltung gewertet wird, wĂ€chst die Auto e Moto d’Epoca und erfreut sich großer Beliebtheit. Die vergangene Ausgabe, die am letzten Oktober-Wochenende stattfand, wird in Italien als wichtigste Automesse auf heimischem Grund gesehen.

Tendenz steigend. Gerade in den wirtschaftlich wackeligen Zeiten sehnt man sich in Italien nach einem Streifen Licht am Horizont. Bei der „Auto e moto d’Epoca stimmt alles“ schwĂ€rmt die italienische Presse, „das Interesse der Bevölkerung ist groß, die Hersteller sind bereit zu investieren und in dieser Nische zeigt sich, dass das GeschĂ€ft mit den historischen Automobilen blĂŒht.“
Organisiert war die Messe bzw. das Umfeld wie immer: ein endloses Verkehrschaos bei der Anreise. Selbst fĂŒr GĂ€ste, die per Zug anreisten galt: Null-Service, denn am Bahnhof gab es weit und breit kein Schild, das Richtung Messe wies. Über 70.000 Besucher auf der 90.000 qm großen Messe mit 4000 Fahrzeugen, 1500 Ausstellern und vielen vielen Ersatzteilen – ein echtes Gemenge und GedrĂ€nge.
Veranstalter Baccaglini klagt: „Ich will der Stadt Padua kein Ultimatum stellen, aber es ist klar, dass die Stadt derzeit nicht in der Lage ist, eine Veranstaltung in dieser GrĂ¶ĂŸenordnung abzuwickeln. Entweder es gibt eine Strategie fĂŒr 2014 oder wir sehen uns gezwungen, die Messe auf zwei oder drei Tage zu verkĂŒrzen.“
Das Angebot an Nachkriegsklassikern war groß und mit auffĂ€llig guten Fahrzeugen fĂŒr die zahlreichen Investoren aus dem umliegenden Ausland also ein wahres Paradies. So lief das GeschĂ€ft der PrivatverkĂ€ufer erfreulich. Schon am zweiten Tag prangte dem Besucher so oft das „Verkauft“-Schild von der Windschutzscheibe der Klassiker entgegen, das man sich fragte, wer denn alle diese geschichtstrĂ€chtigen StĂŒcke mit nach Hause nimmt. Man sah im Vorbeigehen, wie 500 Euro-Scheine die Besitzer wechselten und auch in den Hallen mit den Ersatzteilen wurde mĂ€chtig gehandelt. FĂŒr ein ungeschultes Auge mögen die Berge von rostigem Blech und Eisen wirken wie eine Ladung frisch von der Deponie, doch die siegreichen Blicke der Neubesitzer alter Stoßstangen oder Motorenteile zeugten von geglĂŒckten UmsĂ€tzen und florierendem GeschĂ€ft.

In Padua fiel auf, dass vor allem die deutschen Hersteller sind, die verstanden haben den Spagat zwischen der Pflege der eigenen Unternehmens-Geschichte – bei der mit Verlaub gesagt auch noch Geld verdient wird beim Verkauf der gesuchten Fahrzeug-Ersatzteile – und den Neuwagen zu meistern. Beispielsweise zeigte BMW zusĂ€tzlich zu den schönen BMW Oldtimern die neuen Fahrzeuge der Serie 4 und X5. „Dieses Rezept funktioniert“, versicherte Andrea Ferrari von BMW Italien.
Auch in der Katergorie der Sonderausstellungen gab es gelegenheit fĂŒr die italienischen Auto-Fans zu staunen: Porsche feierte mit dem 911 nochmal Geburtstag.
Zu den schönsten AusstellungsstĂŒcken zĂ€hlte der frisch restaurierte Dodge Plymyth, den der Veteran Car Club Padova zeigte. Er stammte einst aus dem Privatbesitz der Agnellis, die den Wagen in einer verlassenen Scheune auf einem verĂ€ußerten GrundstĂŒck abgestellt hatten. Mit dem Dodge waren in den 1930er Jahren acht (!) Personen auf einmal in den damals angesagten Nobel-Badeort Forte dei Marmi gereist.