Monterey: Wie Blech zu Gold werden kann


Die Reichen und Schnen dieser Welt mit einer Spur Benzin im Blut versammeln sich alljhrlich im August zur Monterey Car Week. Auch in diesem Jahr wechseln sich dort vom 9. bis 18. August Prsentationen, Paraden und Partys mit fabrikneuen Traumwagen, spektakulren Oldtimern und rasanten Rennautos ab. Hhepunkte ist der Pebble Beach Concours d’Elegance, eine Oldtimer-Parade auf dem 17-Miles-Drive am 18. August, einer fr Touristen mautpflichtigen Kstenstrae im benachbarten Carmel-by-the-sea. Und fast ebenso interessant sind die zwischen dem 15. und dem 17. August stattfindenden Versteigerungen mehr oder weniger wertvoller Oldtimer.

Die Frage stellt sich auch in diesem Jahr: Hlt der ungezgelte Goldrausch im Segment der fr Normalverbraucher unbezahlbaren Chromjuwelen an? 2018 trieb das Auktionshaus Sotheby’s den Preis eines 1962er Ferrari 250 GTO in eine Hhe von 48.405 Millionen Dollar (damals 42,6 Millionen Euro). Das Auto avancierte so zum wertvollsten, jemals auf einer Auktion versteigerten Fahrzeug. Von dem italienischen Sportwagen waren ab 1962 nur 36 Exemplare produziert worden, die neu jeweils rund 72.000 Mark gekostet hatten.

Diesesmal gelten zwei weitere Edelkarossen aus Maranello als Gradmesser: ein 61 Jahre alter 250 GT California Spider mit langem Radstand, den die Auktionatoren von Gooding & Company zum Aufruf bringen, sowie ein vier Jahre jngeres Exemplar mit kurzem Radstand, das bei Sotheby’s unter den Hammer kommen soll. Obwohl in diesem Jahr noch eine ganze Reihe spektakulrer Liebhaberstcke neue Besitzer suchen, drften die von den beiden California Spider erzielten Preise einen zuverlssigeren Hinweis darauf geben, wie weit offen die Portemonnaies der zahlungskrftigsten Fans am oberen Ende des Marktes inzwischen noch stehen. Die Experten beider Auktionshuser zum Beispiel geben sich fast bescheiden denn sie rechnen mit einem Erls zwischen 10,5 Millionen und 13 Millionen Dollar (9,45 Millionen bis 11,7 Millionen Euro).

Sotheby’s hlt allerdings noch eine Reihe anderer Raritten bereit, die fr weit mehr Geld weggehen knnten. Fr zwei von ihnen wird zum Beispiel ein Schtzpreis nur unter vorgehaltener Hand gegenber tatschlich potenziellen Bietern genannt. Dabei handelt es sich zum einen um einen Bugatti Typ 57 SC Atlante von 1937, der allerdings nicht unter den Hammer kommen, sondern im Kundenauftrag verkauft werden soll. Das Auto, das einst zur berhmten Sammlung des Casino-Betreibers William S. Harrah aus Reno/Nevada zhlte, hat gerade eine zweijhrige Restaurationskur bei Sotheby’s selbst hinter sich gebracht, befindet sich sozusagen in fabrikneuem Zustand und wre reif fr jeden Concours d’Elegance auf der Welt, wie es bei den Auktionatoren heit.

Das andere Sotheby’s-Prunkstck ist der Porsche Typ 64, Baujahr 1939. Der zunchst als privates Familienauto von Ferry und Ferdinand Porsche genutzte Sportwagen startete nach dem Zweiten Weltkrieg bei diversen Rennen. Seinen Piloten Otto Math beeindruckte das Fahrzeug so sehr, dass er es seinem privaten Museum einverleibte, wo es 50 Jahre verbrachte. Danach wanderte es zu zwei anderen Besitzern, jetzt ist es in Monterey zu haben. Der Porsche Typ 64 gilt als Bindeglied zwischen VW Kfer und Porsche 356 und ist der erste Porsche berhaupt. Als Basis verwendete Ferdinand Porsche seinen KdF-Wagen, aus dem nach Kriegsende der VW Kfer entstehen sollte. Als neuer Besitzer drften nur solche Leute in Frage kommen, denen es auf das eine oder andere Millinchen nicht so sehr ankommt.

berhaupt ist Sotheby’s in Monterey so gut aufgestellt, dass sich bei den Auktionatoren keiner Sorgen machen muss. Insgesamt befinden sich 189 Oldtimer im Angebot, darunter 34 Aston Martin und 33 Ferrari sowie ein weiter Querschnitt von allem mit vier Rdern, was gut und teuer ist. Ein gutes Drittel der Kandidaten soll mindestens eine Million wert sein und mglichst eine ganze Menge Dollar mehr einbringen.

Eine weitere Raritt gibt es bei Worldwide Auctioneers zu ersteigern, ein Riker Electric aus dem Jahr 1898. Das vom amerikanischen Elektroautopionier Andrew L. Riker gebaute Auto wurde zusammen mit dem berhmten Lohner-Porsche auf der Weltausstellung 1900 in Paris gezeigt, wo es mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Immer noch befindet sich das Elektromobil 121 Jahre nach seinem Bau in einem vllig originalen, unrestaurierten Zustand.

Das original erhalten gebliebene Ledernummernschild mit den Initialen von Riker war das erste im Bundesstaat New York und mglicherweise auch das erste in den USA. Andrew Riker fuhr das Auto zum Sieg auf der Mechanics Fair im Charles River Park in Massachusetts im Jahr 1898 und zwei Jahre spter bei einem Rennen in Paris im Jahr 1900. Er gewann auch den ersten Platz beim allerersten 50-Meilen-Straenrennen in Amerika auf Long Island, New York. In seiner Bltezeit konnte der Riker angeblich 65 km/h erreichen und mit einer Batterieladung 80 Kilometer weit fahren. Laut Worldwide Auctioneers wre er das perfekte Auto fr den London to Brighton Veteran Car Run. Auch fr dieses Auto gibt es keinen offiziell genannten Schtzpreis.

Ein Geheimnis aus der erwarteten Summe zu machen, die fr ein besonders seltenes Auto erzielt werden knnte, ist in diesem Jahr Trend, so auch fr den Porsche 718 RSK, der bei der Quail Lodge Auction von Bonhams unter den Hammer kommen wird. Das Auto wurde 1959 an den belgischen Rennfahrer Christian Goethals ausgeliefert. Dessen erstes Rennen endete am 3. Mrz 1959 mit einem Gesamtsieg beim Grand Prix von Leopoldville (damals Belgisch Kongo) in der Klasse Sportwagen, weitere Rennerfolge schlossen sich an. Seine sptere Geschichte liegt weitgehend im Dunkeln. Erst in den frhen 90er Jahren wurde das Auto in einer Garage in Dayton, Ohio, wiederentdeckt. Der jetzige Preis drfte siebenstellig sein.

Es geht aber auch gnstiger. Sogar bei Sotheby’s. Dort werden drei Volkswagen unter den Hammer kommen: Ein Gelndewagen Typ 181 aus dem Jahr 1973 zu einem Schtzpreis zwischen 25.000 und 35.000 Dollar (22.500 und 31.500 Euro), ein Kfer aus dem Baujahr 1977 (40.000 bis 60.000 Dollar/ 36.000 bis 54.000 Euro) und ein 63 Jahre alter VW Deluxe 23-Fenster-Microbus. Der soll allerdings etwas mehr Geld einbringen: zwischen 155.000 und 195.000 Dollar (139.500 und 175.500 Euro). Vielleicht kann ja eine grozgige Erbtante helfen.

Text: H.R Richarz. Foto: Sotheby’s