Nachruf: Rallye-Ass Eugen Böhringer ist gestorben


Eugen Böhringer war in den frĂŒhen 1960er-Jahren einer der erfolgreichsten Mercedes-Benz Werksrennfahrer.

FOTO: Daimler

Er starb am 19. Juni 2013 im Alter von 91 Jahren in Stuttgart. In den 1960er-Jahren errang der Rallye-Fahrer herausragende Erfolge fĂŒr Mercedes Benz. Ein Höhepunkt seiner Karriere war der Titel des Rallye-Europameisters 1962.
Schwere Limousinen scheinbar federleicht ĂŒber die schwierigsten Pisten zu steuern, das war eine SpezialitĂ€t Böhringers. So gewann er 1962 auch die Rallye Akropolis und die Rallye LĂŒttich–Sofia–LĂŒttich auf Mercedes-Benz 220 SE (W 111) und im Folgejahr die Rallye Akropolis, die Deutschland-Rallye und den Großen Straßenpreis fĂŒr Tourenwagen von Argentinien auf Mercedes-Benz 300 SE (W 112). Dass er auch den damals neuen Sportwagen Mercedes-Benz 230 SL (W 113) beherrschte bewies Böhringer mit dem Sieg der Langstreckenrallye Spa–Sofia–LĂŒttich 1963.

Eine hatte dazu gefĂŒhrt, dass Eugen Böhringer – damals Hotelier – Mitte der 1950er-Jahre erste Wettbewerbe mit seinem privaten Mercedes-Benz 219 (W 105) fuhr und rasch Erfolge erzielte. Unter anderem holte er 1958 den zweiten Platz der Stuttgarter Rallye Solitude, die er dann 1959 und 1960 gewann. Mercedes-Benz erkannte die Begabung Böhringers und verpflichtete ihn vom Jahr 1960 an als Werksfahrer. Sein erster internationaler Erfolg fĂŒr die Marke war der zweite Platz bei der Rallye Monte Carlo des Jahres 1960 (Beifahrer Hermann Socher) in einer „Heckflossen“-Limousine vom Typ 220 SE (W 111) hinter Walter Schock und Rolf Moll – Mercedes-Benz erzielte einen Dreifachsieg.

Die Rallye Monte Carlo blieb in den folgenden Jahren die große Herausforderung fĂŒr Böhringer. Er erzielte von 1961 bis 1965 durchgehend Klassensiege in der Kategorie ĂŒber 2000 Kubikzentimeter und holt weitere zweite PlĂ€tze in der Gesamtwertung. Bereits 1961 sicherte er sich den Vize-Titel der europĂ€ischen Rallye-Meisterschaft, die er im Folgejahr gewann. Siege holte Böhringer 1962 bei der Rallye Akropolis, der Polen-Rallye und der Rallye LĂŒttich–Sofia–LĂŒttich. Wie er die Strapazen der 5500 Kilometer langen Rallye ĂŒbersteht, verriet er 1982 der Zeitschrift „Auto, Motor und Sport“: „Die körperliche Fitness garantierten Traubenzucker, Milch und Unmengen an Wasser“.

Zu seinen Siegen 1963 gehörten auch die Fernfahrt Spa–Sofia–LĂŒttich mit Co-Pilot Klaus Kaiser auf Mercedes Benz 300 SE, die Rallye Akropolis sowie die Polen-Rallye. Er belegte in jener Saison auch Platz 2 bei der Rallye Monte Carlo sowie bei der Deutschland-Rallye.
1964 wollte Böhringer seinen dritten Sieg auf der Marathon-Strecke Spa–Sofia–LĂŒttich holen, kam aber nur auf Platz drei ins Ziel. Dennoch verleihen ihm die Veranstalter einen Goldpokal. Denn zwei Siege und zwei exzellente Platzierungen in vier aufeinander folgenden Jahren schienen bisher angesichts der hohen Ausfallquote wĂ€hrend dieses „Marathon de la Route“ undenkbar.

Nach 1964 zog sich Mercedes-Benz von den Rallyes und Tourensportwagenrennen zurĂŒck. Böhringer startete 1965 noch einmal auf Porsche 904 bei der Rallye Monte Carlo, beendete danach aber seine aktive Motorsportkarriere. Insgesamt erinnern 13 Siegernadeln an seine Erfolge mit Mercedes-Benz. 2001 grĂŒndete Böhringer, der dem Rennsport und Mercedes-Benz stets eng verbunden blieb, mit weiteren Rennfahrern den Verein „Solitude Revival“.