Personalie – Trauer um Tony Crook


Untrennbar ist mit der britischen Automarke Bristol der Name Tony Crook verbunden. Anthony Crook hatte 1973 alle Bristol-Anteile von der GrĂŒnderfamilie gekauft und das Unternehmen bis 2001 gefĂŒhrt. Im Januar 2014 verstarb Crook im Alter von 93 Jahren.

1949 geriet die Bristol Aeroplane Company in finanzielle Schieflage. Nach dem Krieg war das Interesse an Flugzeugen erst einmal abgeflaut. Um wieder auf die Beine zu kommen wurde eine kleine Automobilfirma aus der Taufe gehoben, die große AnsprĂŒche hatte. Es sollten nur wenige Fahrzeuge hergestellt werden, die aber in feinster Handarbeit gefertigt und höchsten AnsprĂŒchen genĂŒgen sollten.

Auf dem Genfer Automobilsalon1947 stellt Bristol das Modell 400 vor. Ein Fahrzeug mit bayerischen Wurzeln. Fahrgestell und Motor leiten sich von dem BMW 326 ab. Auch die Karosserie orientierte sich offensichtlich am BMW 326. Der grund dafĂŒr ist in der freundschaftlichen Beziehung von H.J. Aldington, Chef von Frazer-Nash-Bristol zu den Bayerischen Motoren Werken zu finden. Eine Beziehung aus Vorkriegszeiten. Aldington erwarb die BauplĂ€ne sowie die Verkaufs- und Fertigungsberechtigung fĂŒr die Typen 327 und 328. Es folgten die Bauserien 401 und letztendlich 1953 der 403.
Tony Crook wurde als Rennfahrer bekannt. Bereits mit sechs Jahren war er im Motorsport tÀtig. Auch wÀhrend seiner Schulzeit und dem Studium in Cambridge widmete er sich mit voller Leidenschaft dem Rennsport. WÀhrend des 2. Weltkriegs musste Crook zur Royal Airforce. Nach dem Krieg begann er seine Karriere in der Formel 1, bei der er in den 50er Jahren recht erfolgreich war.
1955 folgte ein schwerer Unfall und Crook entschied sich aus dem Rennsport auszusteigen. Nebenbei hatte sich Crooks ein zweites Standbein aufgebaut: Anthony Crook Motors war inzwischen ein angesehenes Autohaus. Neben Aston Martins und Chryslers verkaufte Crook auch Bristols. 1960 ging es Bristol Cars richtig schlecht, da die Muttergesellschaft Bristol Aircrafts Insolvenz anmelden musste. Anthony Crook griff zu und kaufte. Fortan hilfreich waren Crooks gute Beziehungen zu Chrysler und so wurde der Bristol 407 mit einem Chrysler V8 Motor und einer schnittigen Karosserie ausgestattet.

1973 hatte sein Crooks Partner White einen schweren Autounfall und konnte seinen GeschĂ€ften nicht weiter nachgehen. Tony Crook ĂŒbernahm nun alle Anteile an Bristol. Doch in den 80er Jahren sanken die Absatzzahlen. Crook musste sich einen weiteren Investor suchen, um die Firma zu retten. So stieg Toby Silverton mit einem Minderheiten-Anteil in das Unternehmen ein. Bristol geriet in der Automobilproduktion Groß Britanniens dennoch immer mehr in den Hintergrund. Das 1993 vorgestellte Modell Bristol Blenheim blieb fĂŒr fast 17 Jahre kaum modifiziert und wurde so fĂŒr KĂ€ufer immer uninteressanter. Das Unternehmen Bristol konzentrierte sich nun eher auf hochwertige Restaurationen historischer Bristol Fahrzeuge. Doch die Automobil Produktion von knapp 20 Fahrzeugen pro Jahr verursachte Verluste von fast 500 000 Euro jĂ€hrlich. Die hohen Entwicklungskosten des 2007 auf den Markt gestellten Bristol Fighter brachte Bristol in eine finanzielle Schieflage und 2011 musste Bristol Insolvenz anmelden.
Anthony Crook begleitete die GeschÀfte noch bis 2007. Er hat Automobilgeschichte geschrieben.