Rekordpreise bei Versteigerung der GĂ©rard Gombert Sammlung


Sicherlich fragen Sie sich nach dieser Überschrift, wer GĂ©rard Gombert war? Immerhin brachte die Versteigerung seiner Sammlung durch das französische Auktionshaus Orsenat am zweiten November Wochenende 2016 Gesamteinnahmen von ĂŒber 1,9 Millionen Euro.
matra-bagheraGĂ©rard Gombert, geboren 1939, eröffnete in den 1960er Jahren eine Werkstatt in Juan-Les-Pins, an der Cote DÂŽAzur zwischen Cannes und Antibes. SpĂ€ter zog er mit seiner Werkstatt nach Antibes. Er wurde der Mechaniker der französischen Prominenz. Zu seinen Kunden gehörten französische Stars wie Johnny Halliday, Dick Rivers, Nicoletta und Chanson-SĂ€nger Christophe. Nach und nach sammelten sich in seiner Garage die Supercars aus den 60er und 70er Jahren. Manche der Sportwagen fanden bei ihm auch ihre letzte RuhestĂ€tte. So entstand auf dem fast zwanzigtausend Quadratmeter großen GelĂ€nde ein Autofriedhof mit ĂŒber einhundert Fahrzeugen unterschiedlicher Marken. Gombert versteckte die Fahrzeuge aber nicht und zeigte die Sammlung auch interessiertem Publikum. Verkaufen wollte er aber nie. So entstand eine melancholisch anmutende, fast schon kĂŒnstlerische Szenerie. Die morbiden Fahrzeuge wirkten fast schon surreal in ihrer Umgebung.

Im April verstarb GĂ©rard Gombert im Alter von 77 Jahren nach einem langen Aufenthalt in der Psychiatrie. Er litt am sogenannten Diogenes-Syndrom, einer krankhaften Sammlerwut mit der Tendenz nichts wegwerfen zu können. Auf dem GelĂ€nde wurden am Ende rund 80 Fahr- und MotorrĂ€der aus den 60er Jahren gefunden, zahlreiche ZapfsĂ€ulen, Emaille-Schilder, alte Plakate, Felgen, Reifen, Helme, Motoren und rund 100 Fahrzeuge. „La Gombe“, so sein Spitzname, sammelte alles was ihm unterkam.
Einige der Fahrzeuge erwiesen sich bei der Orsenat Auktion als Ă€ußerst gewinnbringend. Darunter der AC Bristol, einst im Besitz der französischen Schriftstellerin Francoise Sagan. Obwohl einige Teile aus dem Wagen bereits gestohlen wurden erzielte der Wagen einen Verkaufspreis von 120.000 Euro. Doch diese war nicht das einzige Fahrzeug, das einen erstaunlichen Gewinn erzielte. Ein völlig maroder Lamborghini Miura P400 S von 1970, mit der Chassis Nummer 30552, dessen Motor schon weitestgehend der Korrosion zum Opfer gefallen ist (auch die Karosserie ist nur noch zur HĂ€lfte vorhanden) erzielte 150.000 Euro.

Beeindruckend ist die Zahl der angesammelten Renault Alpine Exemplare auf dem Autofriedhof. Neun Exemplare, darunter eine Alpine A106 von 1957, mehrere A110 Modelle und als Highlight der Renault Alpine A210 Prototyp, der drei Mal in Folge in Le Mans fuhr, kamen zur Versteigerung. Der Prototyp mit der Chassis Nummer 1725 erzielte den Rekordpreis von 872.800 Euro. Aufgerufen wurden anfangs 80.000 Euro. Der legendĂ€re Rennwagen wurde 1967 speziell fĂŒr den Einsatz in Le Mans gebaut. Er erhielt eine ganz besondere aerodynamische Karosserie. Jahrelang stand der Rennwagen in der Ecke einer Halle, ĂŒberhĂ€uft mit Schrott und Ersatzteilen. Das Fahrzeug ist aber in einem restaurationswĂŒrdigen Zustand und kann kĂŒnftig durch seine Rennhomologation wieder an allen historischen Rennen teilnehmen.

Gleich neben dem Prototypen stand ein weiteres Unikat. Der erste Renault Alpine A108 mit einer Berlinette Karosserie von 1962. Das Fahrzeug stand seinerzeit auf dem Automobilsalon in Paris. GeschĂ€tzt wurde das Fahrzeug auf 15.000 Euro. Ein Bieter erwarb diese Alpine fĂŒr 36.250 Euro.

Wer glaubte ein SchnĂ€ppchen machen zu können, musste bald erkennen, dass auch bei den anderen Fahrzeugen die Preise entsprechend in die Höhe schossen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich meist um stark restaurationsbedĂŒrftige Fahrzeuge handelt. So erzielte das BMW 700 Sport CoupĂ© 6875 Euro (aufgerufen fĂŒr 1000 Euro), ein Lotus Elan+2 stolze 12.500 Euro (aufgerufen fĂŒr 2.000 Euro), Renault R12 6.250 Euro (aufgerufen fĂŒr 1.000 Euro) und der Renault Alpine A106 erzielte 18.750 Euro (aufgerufen fĂŒr 1.000 Euro)
Ein Morris Mini Moke, mit dem GĂ©rard Gombert auf den Rennstrecken Frankreichs unterwegs war, um seine Rennfahrer-Freunde zu chauffieren, wurde anfangs mit 500 Euro aufgerufen und erzielte am Ende ganze 15.000 Euro.

FOTOS: ©Orsenat Auctions