Renault 4CV – Das Cremeschnittchen


Als Renault 1946 auf dem Pariser Automobilsalon den viertĂŒrigen Kleinwagen Renault 4CV ausstellten, hatte er auf Anhieb den Spitznamen weg: „La motte du beurre“ (kleiner Butterklumpen). ZurĂŒckzufĂŒhren ist das auf die auffĂ€llige Lackierung des Ausstellungsmodells in hellem Creme. Das hatte zwei GrĂŒnde. Zum einen sollte sich das neue Modell von Renault sichtbar aus dem Einheitsgrau des Nachkriegs-Straßenverkehrs herausheben, zum anderen war die Farbe schlicht ein gĂŒnstiger bRestposten, den die deutschen Besatzer in einer Lastwagenfabrik, die fĂŒr das Afrikacorps produziert hatte, zurĂŒck gelassen hatten. In Deutschland erhielt der kleine Franzose den liebevollen Beinamen „Cremeschnittchen“.

 

 

Aus dem französischen Straßenbild ist zwischen Oktober 1946 und den spĂ€ten 70er Jahren ein Fahrzeug nicht wegzudenken – Der Renault 4CV. Insgesamt ĂŒber 1 Millionen Mal gebaut, ist dieser Kleinwagen auch als Volkswagen der Franzosen zu bezeichnen. Zwar behauptet manch ein Automobil-Historiker, dass Ferdinand Porsche an der Entwicklung der Renault 4Cv beteiligt gewesen sei, aber rein zeitlich ist dies nicht möglich, denn die eigentliche Entwicklung des Renault 4CV begann bereits still und heimlich wĂ€hrend des Krieges. Renault und anderen französischen Fahrzeug Herstellern war streng untersagt, Fahrzeuge zu bauen oder an Entwicklungen zu arbeiten. Doch Louis Renault beeindruckte diese Unterlassungs-Anordnung nicht. Er wusste, dass nach dem Krieg die ersten Fahrzeuge sehr einfach ausfallen wĂŒrden, aus Mangel an  Rohstoffen und Produktionsmöglichkeiten. Bereits 1941 war der erste Prototyp des spĂ€teren 4CV fertig. Er glich noch sehr dem deutschen KdF Wagen oder einem Mercedes 170H. Verwunderlich ist dies nicht, denn Louis Renault konnte den KdF Wagen bereits 1938 auf dem Berliner Automobilsalon bestaunen. Die Bezeichnung 4CV leitet sich aus den französischen vier Steuer PS ab, die sich aus der Hubraum GrĂ¶ĂŸe ergeben. Das CV steht fĂŒr „chevaux“, quasi der „PferdestĂ€rke“.

Nach dem Krieg wurde Renault 1945 verstaatlicht und fortan unter „Regie Nationale des Usines Renault“ gefĂŒhrt. Als Generaldirektor wurde Pierre Lefaucheux eingesetzt, ein Mann der einiges Großes und Wegweisendes in die Firma bringen wollte, was ihm letztendlich auch gelang.

 

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Spitzname „Cremeschnittchen“

Im Oktober 1946 war es soweit. Auf dem ersten Pariser Automobilsalon nach dem 2. Weltkrieg stellte Renault das kleine Raumwunder vor. Zwar stieß der Renault 4CV auf große Aufmerksamkeit, aber nicht unbedingt nur Begeisterung. Die Presse spottete mit der Bezeichnung „petit motte de beurre“ (Kleines StĂŒck Butter) fĂŒr den beigefarbenen Renault 4CV, der auf der Messe stand. Bis heute behielten der 4CV ihren Beinamen „Cremeschnittchen“. Die ersten 4CV Fahrzeuge wurden alle aufgrund der Rohstoff Knappheit in der cremefarbenen Farbe des militĂ€rischen Tarnanstrichs der Fahrzeuge des WĂŒsten-Corps lackiert.

Der Verkauf der Renault 4CV lief anfangs nur sehr schleppend an. Erst als die ersten Exemplare im französischen Großstadtverkehr auftauchten und erkannt wurde, wie schnell und wendig die kleine Limousine ist, stiegen die Verkaufszahlen merklich an. Bereits 1947 mussten Kunden teilweise bis zu 36 Monate auf ihr persönliches Exemplar de viertĂŒrigen Raumwunders warten.

 

 

„Leistungswunder“

Die frĂŒhen Renault 4CV, mit der Werksbezeichnung R1060, waren mit einem 760ccm wassergekĂŒhlten Vier-Zylinder-Heckmotor ausgestattet. Die anfĂ€nglichen 18 PS waren natĂŒrlich etwas wenig Leistung. Renault handelte und bald wurde der mit 27 PS ausgestatteten „Grand Luxe“ oder „Champs-ElysĂ©e“ vorgestellt. Diese Fahrzeuge waren mit vielen Zierelementen ausgestattet. Die Renault 4CV gab es in verschiedensten Varianten: Vom Ausstattung technisch gesehen sehr mager gehaltenen Lieferwagen „Commercial“, dem Billigmodell „Service“, dem Grundmodell „Normal“ und den Varianten „De Luxe“, „Sport“ oder dem Cabriolet „DĂ©capotable“.

Als Basis dient fĂŒr alle  Modelle die selbstragende viertĂŒrige Karosserie. Die vorderen TĂŒren klappen nach hinten auf, sogenannte SelbstmördertĂŒren. Die Innenausstattung ist sehr karg gehalten. Die mittige sitzende Armatur mit den wenigen Instrumenten gibt Aufschluss ĂŒber alle wichtigen Funktionen. Die Sitze sind sehr einfach und lediglich in ein Rohrgestell eingehĂ€ngt, doch ĂŒberraschend bequem. Jedes kleinste bisschen Zusatzausstattung, wie Heizung oder kurbelbare Seitenfenster Vorne mĂŒssen auch extra bezahlt werden.

Die Reduzierung des Hubraums auf 747ccm brachte 1950 nun auch dem Modellwechsel mit der Werksbezeichnung R1062. Die Leistung wurde allerdings nur auf 21PS erhöht. Doch selbst mit seiner Leistung von 21 PS schafft es der Renault 4CV auf eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 102 Km/h. Von 0 auf 70 km/h kommt der Franzose in 21 Sekunden, auf 100 Km/h braucht er theoretisch dennoch fast 56 Sekunden. Doch diese Zahl ist eher zu vernachlĂ€ssigen, denn sie entstammt einem Vergleich mit einem VW KĂ€fer, der etwa 1200 ccm hat und fĂŒr diese Beschleunigung etwa 38 Sekunden benötigt. Eines ist aber dem Renault 4CV immer zu Gute zu halten, ist er einmal in Fahrt, steht ihm nichts mehr im Weg. Er ist extrem kurvenstabil und unglaublich wendig. Mitbewerbern in seiner Klasse war der Renault 4CV durch den hochverdichteten Motor weit voraus. Der Antrieb erfolgt ĂŒber ein hoch abgestuftes Dreigang-Getriebe, bei dem der erste Gang unsynchronisiert ist. 1954 kam auch das elektromagnetisch gesteuerte Ferlec Dreiganggetriebe hinzu. Berge sind allerdings mit dem Dreigang-Getriebe nur sehr langsam zu erklimmen. Der 2. Gang dreht zu hoch und im 3. Gang ist kein Vorankommen möglich.

Die KĂŒhlung des Heckmotors erfolgt ĂŒber die seitlich am hinteren KotflĂŒgel angebrachten Luftschlitze, die mit einer Jugendstilartigen Verzierung abgedeckt sind. Wer Angst hatte, der Motor könnte nicht genug gekĂŒhlt werden, der irrt. Der Vierzylindermotor gibt sich als sehr hitzefest und vertrĂ€gt durchaus auch das Fahren unter Dauergas oder hoher Belastung. Allerdings: Stau mag der kleine Franzose gar nicht. Auch ein eventueller Motorschaden war keine Katastrophe, da die auswechselbaren Zylinderlaufbuchsen recht gĂŒnstig auszutauschen waren. Alles war darauf abgestimmt, den Renault 4CV komfortabel und gĂŒnstig zu halten. Bei einem Kraftstoffverbrauch von 6,5 Litern im Durchschnitt auf 100 Kilometer ist der 4CV auch sparsam.

 

 

Modell VerÀnderungen

Ab 1954 erfĂ€hrt der Renault 4CV eine Ă€ußerliche VerĂ€nderung. Anstatt der 6 „Moustages“  (Schnurrbart)-Frontzierleisten erhalten nun alle Fahrzeuge nur drei Frontzierleisten. Ab 1955 werden immer mehr Bauteile der parallel verkauften Dauphine in die 4CV Modelle verbaut. Gegen Ende der 50er Jahre wirkt der Renault 4CV dann doch etwas altmodisch.  Renault hielt weiterhin an dem BewĂ€hrten fest und will den Renault 4CV weiter entwickeln, aber die KĂ€ufer wollten nun modernere Fahrzeuge. Parallel konzentrierte man sich bei Renault bereits in den Fabriken in Billancourt bereits auf den R4.

So kam im Juli 1961 das Aus fĂŒr die Produktion des Renault 4CV. Mit 1.089.918 Exemplaren eine Erfolgsauto. Und weil die kleinen Limousinen noch bis in die spĂ€ten 70er Jahre auf den Straßen Frankreichs zu sehen waren, darf man davon ausgehen, dass sie Durchhaltevermögen bewiesen haben.