Bosch Vino Miglia 2017: 2000 Kilometer Oldtimer-Rallye-GlĂŒck


An jedem Wochenende der Saison können Oldtimerfahrer an unzĂ€hligen Veranstaltungen teilnehmen. Doch wie findet man die richtigen Events fĂŒr den eigenen Geschmack? Dazu erst einmal eine Grobeinteilung zum besseren VerstĂ€ndnis: Sehr sportliche Rallyes – wie zum Beispiel die Bayerwald Classic – lassen die Teams mit permanenten Schnittkontrollen und SonderprĂŒfungen kaum zur Ruhe kommen. Hier wird mittlerweile auch elektronisch stark aufgerĂŒstet und die Autos gleichen fahrenden Rechenzentren. Den genauen Gegensatz bedient der ADAC mit dem sogenannten Oldtimerwandern, bei dem das gemĂŒtliche Durchstreifen schöner Landschaften und der Genuss mit allen Sinnen im Vordergrund steht.

Ein wunderbarer Kompromiss aus beiden Richtungen ist die vom AC Maikammer aus der SĂŒdpfalz in diesem Jahr zum elften Mal ausgerichteten Bosch Vino Miglia. Die auch als „Traumschiff auf RĂ€dern“ bezeichnete echte ZuverlĂ€ssigkeitsfahrt mit immerhin fast 2000 Kilometern StreckenlĂ€nge, verteilt auf sieben Fahrtage. Dazu gibt es angenehme Randbedingungen wie Start- und Ziel am gleichen Ort und ein Ruhetag im schönen Meran nach der HĂ€lfte der Strecke. Kein Wunder, dass zahlreiche Teams schon mehrfach am Start waren. Auch findet man hier keine von den Werken gestellten Prominententeams, die vom Veranstalter besonders geherzt werden mĂŒssen und dabei gelegentlich „Normalos“ gefĂŒhlt zu Menschen zweiter Klasse werden lassen.

Der Auftakt: Bereits der BegrĂŒĂŸungsabend im Hof eines Weinguts in Neustadt/Weinstraße glich einem fröhlichen Wiedersehen vieler alter Bekannter. Am Samstag, 10. Juni ging es fĂŒr die 49 Teams auf die erste Etappe ĂŒber Bretten und SchwĂ€bisch GmĂŒnd nach Heidenheim. Tag zwei fĂŒhrte die Oldtimer ĂŒber Landsberg/Lech nach Österreich an den Achensee. Da die Rallye von den Weinregionen SĂŒdliche Weinstraße und SĂŒdtirol unterstĂŒtzt wird, war bei jedem Zwischenhalt bereits vor Eintreffen der ersten Teilnehmer schon der rollende Weinstand der Vino Miglia aufgebaut. Hier konnten Besucher und Zuschauer Weine aus der Region des Veranstalters kosten. Die amtierende pfĂ€lzische Weinkönigin Anastasia Kronauer fuhr die Rallye komplett mit, teilweise auch am Steuer einzelner Oldtimer. Eventuell auftretende technische Probleme wurden durch das mitfahrende ADAC Team und den unermĂŒdlichen Einsatz des Bosch Urgesteins Hans KĂŒppers, selbst mit seinem alten Ford Transit unterwegs, behoben.
Der dritte Tag fĂŒhrte in die Berge. Nach dem Start in Pertisau ĂŒber den Gerlospass und einer Mittagspause in Matrei wurde bei rund 35 Grad Celsius der einspurige Stallersattel von allen Teilnehmern bezwungen. Nach der Abfahrt als Highlight ein gewertetes Schießen auf der Biathlon Anlage in Antholz mit ĂŒberraschend guten Ergebnissen. SpĂ€testens seit dem Abendessen in 2200m Höhe auf dem Kronplatz bei Bruneck in SĂŒdtirol konnte man die meist offen fahrenden Oldtimerpiloten durch ihre sehr vielfĂ€ltig gefĂ€rbten Hautpartien deutlich erkennen.

Bevor am vierten Tag die SĂŒdtiroler Metropole Meran erreicht wurde, ging es zu einer tollen Mittagspause in Brixen und dann ĂŒber das Penserjoch (2211m), erneut eine echte Herausforderung bei der herrschenden Hitze. SpĂ€ter auf dem Thermenplatz mitten im eigentlich autofreien Zentrum von Meran feierten die Teilnehmer neben ihren SchmuckstĂŒcken bis tief in die Nacht die Halbzeit. Es durfte ausgeschlafen werden, denn das Team des AC Maikammer hatte einen Ruhetag mit einem freiwilligen Programm eingebaut. So konnten sich Menschen und Maschinen erholen und die sehenswerte Stadt erkunden.

Tag 6 fĂŒhrte ĂŒber den Reschenpass und Landeck zur Silvretta Hochalpenstraße, ein weiteres Highlight der Tour. Nach der Übernachtung in Schruns fĂŒhrte die Route ĂŒber den steilen BartholomĂ€berg am 7. Tag in die Schweiz, die Mittagspause im malerischen Winterthur brachte neue tolle Fotomotive. Sehr positiv ist zu bemerken, dass ein Team des AC Maikammer jeweils vor Eintreffen des ersten Fahrzeugs an allen Pausenorten große Mengen des 68 Seiten starken Programmhefts kostenlos an die Zuschauer verteilt hat. So kam es ĂŒberall sofort zu netten GesprĂ€chen mit den zahlreichen Zuschauern. Über das Bilderbuch-StĂ€dtchen Waldshut am Hochrhein wurde das Hotel fĂŒr die letzte Nacht am Schluchsee erreicht.

Der achte Tag der Vino Miglia begann im SĂŒdschwarzwald mit einem Besuch des sehenswerten Auto- und Uhrenmuseums ErfinderZeiten. Nach einer Mittagspause auf dem grĂ¶ĂŸten Marktplatz Deutschlands in Freudenstadt wurde dann mit Frankreich das insgesamt vierte Land durchfahren. Die letzten Kilometer auf der Deutschen Weinstraße in der SĂŒdpfalz fĂŒhlten sich bereits an wie die Zielgerade, welche aber erst eine gute Stunde spĂ€ter auf dem Neustadter Marktplatz erreicht wurde. Ausnahmslos glĂŒckliche Gesichter feierten gemeinsam am Ziel und bei der stilvollen Abendveranstaltung im Neustadter Saalbau.
Trotz der eher touristischen Auslegung der Rallye gab es aber doch an jedem Tag einige Wertungen mit Uhr und Roadbook zu bestehen, um am Ende einer jeden Etappe und auch fĂŒr die komplette Rallye Sieger kĂŒren zu können. So gewannen in einem spannenden Finish das in zahlreichen Veranstaltungen gestĂ€hlte Team Werner Reifferscheidt und Wolfgang Obladen aus DĂŒren mit ihrem Mercedes 300 S Cabriolet von 1953 die diesjĂ€hrige Bosch Vino Miglia und wurden in Wein aufgewogen. Einziger Wermutstropfen: auch bei dieser Veranstaltung wurden vereinzelt Tablets und GPS Programme verwendet, die zwar nicht erlaubt sind, aber leider nicht kontrolliert wurden. Warum kann man nicht zeitgemĂ€ĂŸ mit den Oldtimern und entsprechenden Uhren auskommen?

Text und Fotos: Jan Hennen