Rennsport & mehr in Miniatur


Das silberfarben glĂ€nzende Spielzeugauto mit dem Aufziehmotor steht fĂŒr eine konzentrierte Essenz von Faszination: Gerade einmal zwölf Zentimeter misst dieser 300 SL Rennsportwagen, der als Modell 1953 auf dem Markt erscheint.

Die Geschichte der Spielzeug- und Modellautos, die sich verschiedene SL-Sportwagen von Mercedes-Benz zum Vorbild nehmen, ist fast so alt wie die Tradition der SL-Klasse selbst.
Seit der Erfindung des Automobils durch Carl Benz und Gottlieb Daimler im Jahr 1886 hat sich der Kraftwagen als Spielzeug in Kinderzimmern und Sammlervitrinen etabliert.
Zu den am hĂ€ufigsten als Miniaturen wiedergegebenen Typen gehören dabei das Mercedes-Benz 300 SL CoupĂ© (W 198 I, 1954 bis 1957) und der 190 SL (W 121, 1955 bis 1963). Der Blick auf Sammlungen zeigt, wie sich die Spielwarenindustrie dabei innovativen Verfahren öffnet: Die tiefgezogene Blechkarosserie wird durch Kunststoff- und Metallmodelle im Spritzgussverfahren abgelöst. Und an die Stelle des Aufziehmotors treten elektrische Antriebe – bei Autos mit Kabel- oder Funkfernverbindung ebenso wie bei den elektrisch mobilisierten Modellen fĂŒr die Autorennbahnen.
Spiegel der SL-Tradition
Auch alle anderen SL-Sportwagen von Mercedes-Benz sind von ihrer PrĂ€sentation an stets begehrte Fahrzeuge in der Welt der Modell- und Spielzeugautos. So ist in sechs Jahrzehnten SL-Tradition eine ganze Welt der Miniaturen dieser Sportwagen von Mercedes-Benz entstanden: Angefangen vom Rennsportwagen W 194 ĂŒber die Baureihen W 198 (300 SL) und W 121 (190 SL) zur „Pagode“ W 113 aus dem Jahr 1963 und den Baureihen R 107 (1971), R 129 (1989), R 230 (2001) sowie R 231 (2012).
Neuanfang mit Sportwagen bei Mercedes-Benz und im Spielwarenhandel
Als Dux im Jahr 1953 die Miniatur des 300 SL Rennsportwagens (W 194) herausbringt, ist das legendĂ€re Mercedes-Benz 300 SL FlĂŒgeltĂŒrer-CoupĂ© der Serienbaureihe W 198 I noch ein geheimes Entwicklungsprojekt der Ingenieure und Designer. Die Formgebung des Dux-Modells von 1953 nimmt sich natĂŒrlich noch die Silhouette des Rennsportwagens zum Vorbild. Technisch zeigt sich die Dux-Miniatur von 1953 noch den Prinzipien des klassischen Spielzeugautos dieser Epoche verbunden: Die Karosserie wird aus Blech tiefgezogen und mit dem Rahmen verbunden. Nach diesem Prinzip ist schon Mitte der 1930er-Jahre der legendĂ€re Nachbau des Formel-Rennwagens Mercedes-Benz W 25 von Schuco entstanden. Dieser kleine Silberpfeil wird bis heute gebaut.
Dux entscheidet sich bei seinem 300 SL nicht fĂŒr das ĂŒbliche Verfahren mit Blechlaschen, die durch Schlitze gefĂŒhrt und umgebogen werden, sondern fĂŒr Schraubverbindungen. Diese Technik erlaubt es den 300 SL zu öffnen (Schraubendreher und SchraubenschlĂŒssel werden mitgeliefert) und sogar den Aufziehmotor auszubauen. In dem Metallbaukasten „Auto-Dux“ liefert Dux wenige Jahre spĂ€ter sogar einen demontierten Typ 190 SL (W 121), der zum Spielen zunĂ€chst zusammengebaut werden muss.
SL-Sportwagen werden spĂ€ter auch als KunststoffbausĂ€tze verschiedener Hersteller angeboten. Der Wandel vom Blech zum Kunststoff steht dabei fĂŒr einen Paradigmenwechsel, der den kompletten Bereich der Modellautos betrifft: Nicht nur neue Materialien, auch andere Techniken zur Herstellung und andere Antriebe etablieren sich vor allem seit den 1960er-Jahren.
Miniaturen des FlĂŒgeltĂŒrer-CoupĂ©s als Blechspielzeug kommen bereits bald nach der PrĂ€sentation des W 198 I in grĂ¶ĂŸerer Zahl auf den internationalen Markt. Vereinzelt finden sich Ă€ußerst feine Miniaturen aus deutscher Produktion wie das Modell von Tipp & Co./Tippco „mit Elektroantrieb und einer richtig funktionierenden Lenkradschaltung“, wie Matthias Braun schreibt. Dieses Spielzeugauto erweist sich nicht nur technisch seinem Vorbild angemessen, sondern es zeigt sich auch preislich dem luxuriösen Sportwagen angepasst: 23 DM muss man fĂŒr den 300 SL von Tipp & Co./Tippco bezahlen, das ist Mitte der 1950er-Jahre sehr viel Geld fĂŒr ein Spielzeug.
Zeigen die deutschen Spielzeugfirmen gegenĂŒber dem Typ 300 SL zunĂ€chst noch etwas ZurĂŒckhaltung, Ă€ndert sich das mit dem seit 1955 gebauten 190 SL Roadster: Von dem offenen Sportwagen kommen â€žĂŒber 80 Prozent aller Modelle von deutschen Traditionsherstellern wie Gama, Huki (Kienberger), JNF, Kellermann, Schuco und Seidel“, schreibt Matthias Braun. Technisch folgen diese Miniaturen den Modellen des 300 SL, sie sind also mit Blechkarosserien ausgestattet, die lackiert oder lithografiert werden.


Technische Innovation im Spielzeug
Nicht alle technischen Details eines echten Sportwagens lassen sich vorbildgerecht im Modell wiedergeben. Doch die Entwicklung im Spielzeugbereich seit der Premiere des ersten Typ 300 SL als Wettbewerbsfahrzeug von zahlreichen Innovationen geprĂ€gt worden. Das betrifft die Produktion der Karosserien im Spritzgussverfahren ebenso wie die Herstellung von Dekors durch FotoĂ€tzen und andere Verfahren. Ablesen lĂ€sst sich diese Entwicklung insbesondere am 300 SL der Baureihe W 198 I und dem 190 SL der Baureihe W 121. Denn beide Mercedes-Benz Sportwagen werden nach wie vor von zahlreichen Herstellern als Modelle angeboten – mit großen Unterschieden in der Detailtreue.
Die Evolution, die ein Modell dabei erlebt, zeigt beispielsweise das 300 SL CoupĂ© von Wiking aus Kunststoff im Maßstab 1 : 87, das in der Preisliste des Jahres 1956 als Neuheit vorgestellt wird. Der im Maßstab zur Modelleisenbahn der Spur H0 passende FlĂŒgeltĂŒrer hat damals eine Karosserie ohne durchgebrochene Fenster, die ScheinwerferglĂ€ser sind durch Farbe dargestellt. Zum Jahr 1960 folgt dann der 300 SL mit transparenter Windschutzscheibe und Fenstern – passend zum Typ 190 SL mit CoupĂ©dach, den Wiking 1957 prĂ€sentiert. Immer wieder bringt Wiking verfeinerte Versionen des FlĂŒgeltĂŒrer-CoupĂ©s auf den Markt, bis hin zu AusfĂŒhrungen mit filigranem KĂŒhlergrill und Stoßstangen.
Neben den feinen Details sind auch technische Funktionen gefragt. So gibt es um 1960 nicht nur ein Modell der „Pagode“ von Gama mit abnehmbarem Hardtop, sondern sogar einen 230 SL (W 113) von Schuco mit funktionsfĂ€higem Vierganggetriebe.


Mercedes-Benz QualitÀt im Modell
Das Streben nach immer besseren Modellen gilt fĂŒr viele Hersteller und zahlreiche MaßstĂ€be. Dabei wird der Bedarf nach prĂ€zisen Informationen ĂŒber das Vorbild immer deutlicher. Hier ist Mercedes-Benz als Partner der Spielzeugindustrie schon immer gefragt: Bereits 1961 wendet sich beispielsweise ein Hersteller von „Kinderautos“ an Daimler und bittet um detaillierte Zeichnungen und Fotografien als Vorlage fĂŒr die etwa 1,5 Meter langen Tretautomobile.
Heute fördert Mercedes-Benz in Zusammenarbeit mit renommierten Herstellern unter anderem die Entwicklung hochwertiger Sammlermodelle fĂŒr die markeneigene Classic Collection.