Retromobile – Messe begeistert 90000 Zuschauer


Der Wind treibt regenschwere Wolken ĂŒber die französische Hauptstadt. Die Seine ist aufgewĂŒhlt und die Straßen der Shopping-Hochburg sind voll mit Besuchern, denen der Geldbeutel locker sitzt. Auch in den GĂ€ngen der Messehalle Nr. 1 der Paris Expo, wo sonst der Pariser Autosalon stattfindet, schieben sich hunderte Besucher an glĂ€nzenden AusstellungsstĂŒcken vorbei.

Sehen Sie hier das Video ĂŒber die Retromobile 2014 in Paris

 

Doch hier schlĂ€gt das Herz nicht fĂŒr Neuwaren. Es sind die die Vorfahren der heutigen Automobile, fĂŒr die sich die Besucher interessieren – und alles was sonst noch dazu gehört.
Eine Weltpremiere hat die Retromobile auch zu bieten: Erstmals sind 15 Fahrzeuge aus dem Vorbesitz der Maharadschas in einer einzigen Ausstellung zu bestaunen. Gut zwei Jahre dauerte die Umsetzung der ersten Idee zu dieser Sonderschau bis zur Verwirklichung erzÀhlt Messe-Organisator Francois Melcion.
Mit an Bord fĂŒr die Organisation dieses weltumspannenden Projektes war der indische Buchautor und Journalist Gautam Sen.
Zwei brachiale Oldtimer-UrgetĂŒme, die Geschichte mit Geschwindigkeitsrekorden schrieben, begrĂŒĂŸen die GĂ€ste gleich im Eingang. Leyland Chef-Ingenieur John Godfrey Parry-Thomas Rekordwagen „Babs“ wird von einem 27-Liter-V12-Flugzeugtriebwerk mit bis zu 600 PS angetrieben. 1926 erreichte er mit dem 1,8 Tonnen schweren Wagen 275,271 km/h. Doch sein Rekord hielt nur wenige Monate. Malcolm Campbell brach den Rekord fĂŒr radgetriebene Landfahrzeuge im Februar 1927 mit dem Bluebird Napier Campbell, mit dem er eine Geschwindigkeit von 281,381 km/h erreichte.
Francois Melcion, Direktor der Retromobile zeigte viel Geduld bei der Recherche und Planung der Sonderausstellungen und verriet ein Geheimnis.
Die deutschen Fahrzeughersteller glĂ€nzen hier nicht durch Masse, sondern mit ausgewĂ€hlten AusstellungsstĂŒcken. NatĂŒrlich haben die Franzosen Heimvorteil. Renault zeigt die Historie des Espace in 30 Jahren vom Prototypen bis zur Neuzeit. Sportlich ist der Auftritt fĂŒr 50 Jahre Renault 8 Gordini.
Citroen widmet sich dem ‚Citroen als Familienfahrzeug‘. Besonders beeindruckend ist aber das Aufgebot der Renault Alpine-Fahrzeuge, die erstmals aus dem Privatbesitz von Jean RĂ©dĂ©lĂ© gezeigt werden. Sie starteten unter anderem in Le Mans und Sebring.


Die angesehenen Namen der Oldtimer-Branche prĂ€sentieren ihr Fahrzeugangebot Ă  la parisienne: schick und elegant. „In Paris muss man sich eben ein bisserl mehr anstrengen, als anderswo“, sagt einer der großen HĂ€ndler, „Hier treffen sich die internationalen Sammler aus der ganzen Welt. Die gehen zusammen abends fein aus und die MĂ€nner schlendert ĂŒber die Messe, wĂ€hrend ihre Frauen in der Stadt einkaufen.“
Wer sich fĂŒr Fahrzeuge mit berĂŒhmten Vorbesitzern interessierte, wurde bei Artcurial fĂŒndig.
Und noch etwas macht die Pariser Messe einzigartig. Nirgendwo sonst ist das Angebot an automobiler Kunst so groß und vielfĂ€ltig wie auf der Retromobile.