RM Sotheby’s versteigert Wahnsinns-Ferrari


Vielleicht ist kein anderer Sportwagen der 50er Jahre berĂŒhmter als der 250 GT Berlinetta von Ferrari, der die Tour de France-Rallye zwischen 1956 bis 1959 derart dominierte, dass das Modell Namen des Events als Spitznamen verpasst bekam. Produziert in vier kleinen Serien, gefolgt vom 250 GT Berlinetta mit kurzem Radstand, wurde der Tour de France in einer bescheidenen Anzahl von 72 Exemplaren gebaut, die heute von Sammlern fĂŒr ihre exquisite Leichtbaukarrosserie, fortschrittliche Rennmechanik und Bedeutung fĂŒr die Renngeschichte von Ferrari geschĂ€tzt werden.

Dieser Mid-Production TdF ist das 15. von 17 Exemplaren, die im Body-Style von 1957 gebaut wurden – mit drei Luftschlitzen und verdeckten Scheinwerfern. Mit Produktionsbeginn Ende 1957 wurde der Motor mit Renn-Nockenwellen tipo 130 und Hochkompressionskolben ausgestattet. Am 2. Januar 1958 wurde der Motor fertiggestellt und am 4. Januar getestet. Der Test bestĂ€tigte eine Leistung von 258,2 PS bei 7.200 U / min.

Der 250 GT wurde sofort an den deutschen Rennfahrer Wolfgang Seidel, genannt „the Golden Bear. Seidel trat in den nĂ€chsten Jahren mit dem TdF bei etwa 22 Rennen an und nahm elf Siege mit. Beginnend mit dem 2. Gesamtrang beim 3-Stunden-Rennen von Pau im April 1958, steigerte sich der 250 GT zu Klassensiegen oder Gesamtsiegen bei Bergrennen, Flugplatzrennen und Nebenveranstaltungen wie dem Grand Handicap de Spa-Francorchamps, dem Gaisberg und der Eifelrennen am NĂŒrburgring.

Der Rekord des Autos bei Großveranstaltungen in diesem Zeitraum war fast genauso eindrucksvoll, einschließlich dem 2. Gesamtrang beim Grand Prix von Spa-Francorchamps im Mai 1958, den 4. Gesamtrang bei den 12 Stunden von Reims im Juli 1958, den 3. Platz beim Grand Prix de Paris in Linas-Montlhery im Mai 1959, den 5. Platz beim Gran Premio della Lotteria in Monza im Juni 1959 und den 4. Platz (und 1. Platz seiner Klasse) beim Coupe de Paris in Linas-Montlhery im September 1959.

Im Jahr 1964 ging Chassis 0879 GT an eine kleine Reihe aus deutschen Besitzern, zuerst an den Architekten Manfred Ramminger aus Krefeld und dann ein Jahr spĂ€ter an den Kölner Studenten Siegfried Mahnke. 1966 verkaufte Mahnke den Ferrari an Gary Schmidt, einen Amerikaner, der an amerikanischen MilitĂ€rstĂŒtzpunkten in Deutschland unterrichtete, und er ließ in der Schweiz mit UnterstĂŒtzung von Ferrari, wie in einem Brief von 1968 zu lesen ist, einen Motorumbau in Auftrag geben Das Auto wurde 1973 an Christer Mellin, einen schwedischen Markenfan und GrĂŒnder des Ferrari Club Svezia, verkauft.

Auch Mellin war in engem Kontakt mit dem Hersteller und begann 1974 das Auto zu restaurieren, was fast 20 Jahre dauerte.

Im Mai 1997 verkaufte Mellin den Tour de France an seinen jetzigen Besitzer, der die fabelhafte Restaurierung pflichtbewusst pflegte, wĂ€hrend das Auto bei einer Reihe von Nischen-Events startete, darunter Ferraris 50., 60. und 70. JubilĂ€um in Rom und Maranello, den Ferrari Shell Historic Challenges 1998 und 2000, die Tutte le Ferrari 1999 und 2000 und die Mille Miglia Storica 1999. Es ist auch anzumerken, dass Chassis 0879 GT kĂŒrzlich von Ferrari Classiche beglaubigt wurde und den Einbau originalen V-12 Motors bestĂ€tigt, was ihnzu einem der relativ wenigen ĂŒberlebenden Ferrari-Rennwagen der 1950er Jahre macht, die bis heute als „vollstĂ€ndig aufeinander abgestimmt“ gelten.

Mit einer abwechslungsreichen Geschichte und einer Karriere bei einem gefeierten deutschen Fahrer, verbucht 0879 GT eine kurze und gut dokumentierte Reihe von EigentĂŒmern, einschließlich der Nutzung durch einen Ferrari-Werksfahrer. Der Berlinetta ist eines von nur 17 Exemplaren, die mit der wunderschönen Drei-Lamellen-Scaglietti-Karosserie gebaut wurden und in den letzten 45 Jahren die anspruchsvolle Pflege von nur zwei Konservatoren genossen haben und den Markenfans ein besonders reines und eindrucksvolles Beispiel einer Ferrari-Wettbewerbslegende bieten.

Jetzt wird der Ferrari bei RM Sotheby’s versteigert, als SchmuckstĂŒck der Auktion am Samstag, den 12. Mai in Monaco. Der erwartete Verkaufspreis liegt zwischen 7 und 9 Millionen Euro.