RĂŒckspiegel – Der erste VW vom Band


Kurz nach dem ersten Nachkriegsweihnachten im Jahr 1945 lief der erste Volkswagen Typ 1 vom Band. Bis Jahresende 1945 schaffte man aber nur 55 Fahrzeuge, denn die Produktion begann recht improvisiert und auch in den folgenden Monaten erschwerte der Mangel am Notwendigsten die Produktion. Dennoch setzten die ersten Fahrzeuge ein Zeichen fĂŒr Hoffnung und Neubeginn in der damals britisch kontrollierten Autofabrik.

 

VorlÀufer des VW KÀfer: W30-Versuchswagen (1936/37)

VorlÀufer des VW KÀfer: W30-Versuchswagen (1936/37)

 

Bis Kriegsende waren gerade einmal 630 der so genannten KdF-Wagen gefertigt worden. Die eigentlich zu ihrer Produktion errichtete moderne Fabrik im heutigen Wolfsburg war im Krieg Teil der deutschen RĂŒstungswirtschaft und erzeugte statt Personenwagen fĂŒr das Kraft-durch-Freude-Programm vor allem militĂ€rische GĂŒter. Am 11. April 1945 besetzten schließlich amerikanische Truppen das Werk. SpĂ€ter ĂŒbernahm die britische MilitĂ€rregierung im Juni 1945 die TreuhĂ€nderschaft ĂŒber das Werk mit seinen rund 6000 BeschĂ€ftigten.

Serienstart des Volkswagen KĂ€fer vor 70 Jahren: Major Ivan Hirst.

Serienstart des Volkswagen KĂ€fer vor 70 Jahren: Major Ivan Hirst.

Der als Senior Resident Officer eingesetzte 29-jĂ€hrige Standortverantwortliche Major Ivan Hirst verschaffte der Fabrik am 22. August 1945 einen ersten Auftrag ĂŒber 20 000 Limousinen und verhinderte damit eine Demontage der Anlagen. Die Fahrzeuge waren vor allem fĂŒr alliierte Stellen, aber auch fĂŒr die Sicherstellung der Ă€rztlichen Versorgung auf dem Land gedacht. Die Produktion verharrte 1946/47 zumeist bei 1000 Fahrzeugen im Monat. Privatleute kamen in nennenswerter Zahl erst nach der WĂ€hrungsreform im Juni 1948 zum Kundenkreis.

Bis heute sind die britischen Wurzeln von Volkswagen spĂŒrbar, denn die Briten stellten die Fabrik auf Zivilfertigung um und achteten auf die QualitĂ€t der Fahrzeuge. Sie legten großen Wert auf Service und KundennĂ€he und knĂŒpften ein HĂ€ndlernetz, das 1948 bereits alle drei Westzonen umspannte. Mit dem Start des Exports im Oktober 1947 internationalisierten sie das GeschĂ€ft. Die ersten Betriebsratswahlen im November 1945, kaum ein halbes Jahr nach Kriegsende, brachte die demokratische Partizipation ins Werk. Als die Volkswagenwerk GmbH im Oktober 1949 in deutsche HĂ€nde ĂŒbergeben wurde, befand sich das Unternehmen in einer guten Position fĂŒr den Start ins so genannte Wirtschaftswunder.

„Volkswagen hatte großes GlĂŒck, dass die robuste Limousine der britischen MilitĂ€rregierung die Erledigung ihrer Verwaltungsaufgabe erleichterte und dass mit Ivan Hirst der richtige Mann die Verantwortung vor Ort trug. Der kluge Pragmatiker gab der Fabrik und der Belegschaft eine Vision, indem er britische Soldaten und deutsche Mitarbeiter gleichermaßen motivierte, aus der darniederliegenden Fabrik ein erfolgreiches Marktunternehmen zu machen. Er wusste um die QualitĂ€ten der Volkswagen Limousine und brachte sie auf die Straße,“ fasst Dr. Manfred Grieger, Leiter der Historischen Kommunikation der Volkswagen Aktiengesellschaft zusammen.

Der KĂ€fer trug entscheidend zur Demokratisierung der MobilitĂ€t bei, war spĂ€ter in vielen LĂ€ndern zu Hause und etablierte sich zu einem wichtigen Botschafter und SympathietrĂ€ger Deutschlands. Zuletzt noch im mexikanischen Puebla produziert, wurde die Fertigung nach mehr als 21 Millionen Fahrzeugen Ende Juli 2003 eingestellt. Als automobile Ikone erreichte der KĂ€fer die Herzen vieler Millionen. Seine charakteristische Silhouette wird ĂŒberall erkannt.