Seat Rampenlicht in der Wolke


Seit 2015 arbeitet der spanische Autobauer Seat am digitalen Marken-Museum zu erschaffen. Deshalb luden die Katalanen im Sommer 40 der begabtesten spanischen und deutschen Architekturstudenten zum „Seat Archithon“-Designwettbewerb nach Barcelona. Das Konzept „Cloud Museum“ machte das Rennen:

Ein digitales Museum in Form einer Wolke, erdacht von drei deutschen Studenten. Unter dem Namen „Seat Digital Museum“ wurde die Gewinneridee inzwischen auf seat.com virtuelle RealitĂ€t.
Der Begriff „Archithon“ setzt sich zusammen aus Architektur und Marathon. Unter diesem Titel bestritten die Nachwuchsarchitekten im Sommer vergangenen Jahres ein Kreativ-Wochenende zur Entwicklung verschiedener Designkonzepte. Über 48 Stunden tĂŒftelten sie in Gruppen an Ideen zur Verwirklichung der Vorgabe: die Erstellung eines modernen und interaktiven, digitalen Automobilmuseums fĂŒr Seat. Mit großem Ehrgeiz entwickelten die Teams im „One Ocean Club“, einem modernen GebĂ€ude im Port Vell Yachthafen, bei wenig Schlaf ihre Konzepte. Daneben bot Seat seinen „Archithon“-Teilnehmern die Gelegenheit, an Workshops und Konferenzen zum Thema „Connectivity“ teilzunehmen. Demonstriert wurde das Beispiel eines Seat Leon X-Perience.

 

1Mio Seat re 124 1968

 

Der Siegerentwurf stammt von drei deutschen Architekturstudenten Anton Sahler, von der Technischen UniversitĂ€t Darmstadt, Ksymena Borczynska, Studentin der UniversitĂ€t Kassel und Patricia Loges, die an der Technischen UniversitĂ€t Berlin studiert. „Die Form des digitalen Museums bildet eine Wolke, die frei von Stadt zu Stadt reisen kann.“, beschreibt Christian Stein, Seat Marketing Direktor, der auch Jury-Mitglied war, das virtuelle, automobile Museum. ZusĂ€tzlich zu einem Geldpreis durften die Ideengeber die Details ihres Konzepts weiter ausarbeiten. Patricia Loges vom Gewinnerteam erklĂ€rt fĂŒr ihre Teamkollegen: „Mit diesem Preis können wir endlich unsere ArchitekturfĂ€higkeiten in einem realen Projekt unter Beweis stellen. Es ist wunderbar, dass Firmen wie Seat solche Wettbewerbe organisieren und talentierten Studenten eine Chance geben.“

Das digitale Seat-Museum bildet die gesamte Unternehmensgeschichte seit 1950 ab und gewĂ€hrt einen Ausblick auf die Zukunft. Die dort prĂ€sentierten Exponate werden mit ihren Entstehungsgeschichten, besonderen Charakteristika, sowie technischen und historischen Daten vorgestellt. Dem Onlinebesucher ist es dabei möglich, gezielt und interaktiv auf die Seat-Historie zuzugreifen. Neben der digitalen Dauerausstellung in Schrift, Bild und Video gibt es auch wechselnde Sonderausstellungen zu erkunden. Lebhaft inszeniert rĂŒcken hier wechselnde Aspekte der Firmengeschichte und symboltrĂ€chtige Modelle, samt ihrer Schöpfer, ins virtuelle Rampenlicht.

Die Grundlage fĂŒr das digitale Museum bildet die historische Sammlung „ColecciĂłn de Coches HistĂłricos de Seat“ im SĂŒdwesten Barcelonas. Dort liegt das Industrie- und Gewerbegebiet Zona Franca mit der unscheinbaren Lagerhalle A-122. Sie ist das Heim der im Verborgenen gelegenen und weltweit grĂ¶ĂŸten Sammlung historischer Seat-SchmuckstĂŒcke. Die Klassiker sind Zeugen von mehr als 60 Jahren bewegten Firmenhistorie.

Am 9. Mai 1950 wurde hier die „Sociedad Española de AutomĂłviles de Turismo S.A.“, kurz Seat, gegrĂŒndet. Im Jahr 1953 rollte mit dem 1400 das allererste Fahrzeug der spanischen Autoschmiede ĂŒber das Fließband. Die große und luxuriöse Limousine wurde durch ihr elegantes Design schnell zu einer Ikone ihrer Zeit. 925 Mitarbeiter produzierten damals tĂ€glich fĂŒnf Einheiten. Nach der Massenmotorisierung Spaniens, Ende der 1960er Jahre und einem rasanten Wachstum zur Zeit des Wirtschaftswunders, wurde ein gelber 124er zum nĂ€chsten Meilenstein in der Firmengeschichte. Im Mai 1968 wurde er als einmillionster Seat der Öffentlichkeit prĂ€sentiert. Bei der Show “Eine Million fĂŒr den Besten” des spanischen Fernsehsenders RTVE wurde er an Rosa ZumĂĄrraga verlost, die jedoch leider keinen FĂŒhrerschein besaß.

In den darauffolgenden 1970er Jahren nahm das Technologie-Zentrum in Martorell, 30 Kilometer nordwestlich von Barcelona seine Arbeit auf. Heute befindet sich hier der Hauptsitz und neben Barcelona das zweite Seat-Stammwerk.

In der Halle A-122 hingegen fĂŒhrt heute Isidre LĂłpez Badenas, der gelernte Industriemeister und Chef der historischen Sammlung, ausschließlich angemeldete Fachbesucher durch die Sammlung. Er versteht es, mit seinen AusfĂŒhrungen die GĂ€ste in den Bann der historischen Seat-Preziosen zu ziehen. So auch beim 1984 gebauten Rallye Ronda. Dieser war nicht nur Rallye-Sportwagen, sondern auch der erste offiziell exportierte Seat. Sein Auftritt fiel in eine fĂŒr den spanischen Autobauer wichtige Zeit. Denn 1982 unterzeichnete Seat mit Volkswagen ein Produktions- und Wirtschaftsabkommen, wonach 120 000 VW-Modelle pro Jahr – Polo, Santana und Passat – in Katalonien produziert wurden. 50 000 Einheiten davon waren fĂŒr den Export bestimmt.

Fast zur gleichen Zeit rollte mit dem Seat Ibiza im April 1984 der erste in Eigenregie entwickelte Wagen vom Band. Mit einem Design von Giugiaro, einem Motor “System Porsche” und der Fahrgastsicherheitszelle von Karman konnte Seat dafĂŒr erfahrene Partner um sich sammeln. 1986 ĂŒbernahm Volkswagen mit 51 Prozent die Mehrheit an Seat und erhöhte die Beteiligung im Dezember gar auf 75 Prozent. In Folge wurde der sechsmillionste Seat auf die RĂ€der gestellt. Der Mitarbeiterstamm wuchs auf 22 197 Personen, und die Motorsport-Abteilung “Seat Sport“ wurde gegrĂŒndet.

„All diese Daten, Fakten und Geschichten rund um die Firmenhistorie möchten wir fĂŒr die zunehmend digitale und mobile Gesellschaft aufbereiten und endlich erlebbar machen,“ erlĂ€utert Seat Marketing Direktor Christian Stein. Als Automobilhersteller mit einer MarkenprĂ€senz in 27 LĂ€ndern der Erde sieht Stein das „Digital Museum“ als „besten Weg zur Überwindung aller Grenzen“ und zur weltweiten PrĂ€senz. „Dort ist unser Publikum und dort wollen wir hin.“

Text:  Alexander Voigt

 

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