Vintage Race Days: Oldies auf der Pferderennbahn


„Vorkriegsfahrzeuge sollen auf Gras fahren? Ihr spinnt! Keine drei Autos werdet Ihr dafĂŒr gewinnen können,“ – das hörten die Organisatoren der Vintage Race Days im herzoglichen Schlosspark zu Rastede noch vor wenigen Jahren, als die großartige Idee erstmals umgesetzt werden sollte: historische Rennwagen werden stilvoll in Fahrt auf der Pferderennbahn prĂ€sentiert. Inzwischen ist diese einzigartige Oldtimer-Veranstaltung im Nordwesten von Deutschland kein Geheimtipp mehr. Rund 10.000 Besucher pilgerten an den beiden Renntagen in die kleine Ortschaft nördlich von Oldenburg. Auf einem Turnierplatz, der kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zunĂ€chst fĂŒr den Pferdesport angelegt worden ist, bestritten 60 Ă€ußerst seltene Oldtimer aus den 1920er- bis 1940er-Jahren insgesamt 24 RennlĂ€ufe auf dem 1000 Meter langen Rundkurs der historischen Grasbahn. Rennzwerge dĂŒsten gegen Elefanten, um den „Brooklands“-Cup wurde gekĂ€mpft, die Starts erfolgten im Le-Mans-Stil, es gab StaffellĂ€ufe und auch nachts waren die Oldtimer unterwegs. Faszination pur. Spannender kann man Oldtimer kaum inszenieren.Originale TribĂŒnen, ein Start- und Richterturm aus den frĂŒhen 1950er-Jahren und zahlreiche weiße Pagodenzelte komplettierten die Szenerie einer stilvollen Landpartie.

Mittlerweile feierte man am vergangenen Wochenende die fĂŒnfte Auflage der Vintage Race Days. Und selbst von einem heftigen Gewitter ließen sich die Zuschauer nicht abbringen, am Sonntag erneut den Schlosspark zu besuchen. Wer keinen Picknick-Korb mitgebacht hatte, versorgte sich am Streetfood Corner unter dem idyllischen, alten Baumbestand oder besuchte die Restaurant-Terrassen der Gourmet-Meile direkt an der Rennstrecke. Die hohe Familientauglichkeit wurde durch stilvolle Verkaufszelte mit passenden Accessoires verstĂ€rkt.

Diese Veranstaltung schafft es wirklich, den historischen Rennsport aus der elitĂ€ren Ecke zu holen, in die er von manchen Kommentatoren zu Unrecht gestellt wird. Man bemerkte wie die Fahrer Spaß hatten ihre Boliden auf der Grasbahn zu bewegen, die bereits nach wenigen Regentropfen seifig-rutschig wurde. Die Autostadt Wolfsburger starteten in diesem Jahr mit einem Bentley 3,5 Litre Vanden Plas Le Mans Tourer aus dem Jahr 1934 und einem Alvis FWD Type FA aus dem Jahr 1928. Sie sicherten sich gleich den Gesamtsieg aller RennlĂ€ufe des Wochenendes.

„Die Vintage Race Days sind eine herausragende Veranstaltung ausschließlich fĂŒr Vorkriegsfahrzeuge. Die zwei Tage in Rastede bieten eine ganz wunderbare Szenerie, die wir mit unserem Auftritt auf der Rennstrecke und unserem Engagement als Sponsor zum ersten Mal bereichert haben. Der besondere Reiz ist natĂŒrlich die historische Grasrennbahn, auf der die Fahrzeuge selbst bei geringen GasstĂ¶ĂŸen hinten rausdrehen. Dieses Erlebnis sieht man sehr selten in Deutschland“, fasst Otto F. Wachs, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Autostadt, seine persönlichen EindrĂŒcke zusammen.

Auf der PrĂ€sentationsflĂ€che der Autostadt erfuhren die Besucher zwischen den Rennen außerdem alles ĂŒber die automobile Erlebniswelt des Volkswagen-Konzerns. Als beliebtes Freizeitziel, erfolgreicher Veranstaltungsort fĂŒr Kultur und Bildung sowie als grĂ¶ĂŸtes Fahrzeug-Auslieferungszentrum der Welt zog die Autostadt allein im vergangenen Jahr 2,2 Millionen GĂ€ste an. Aus den Schatzkammern des Automobilmuseums, dem „Zeithaus“, der Autostadt konnten ein Bentley 3L Speed Open Tourer aus dem Jahr 1924, ein 1931er MG M Type, ein Karmann GF Buggy und ein Volkswagen Typ 181 Tuning bewundert werden.

Aber die grĂ¶ĂŸte Faszination bot das allen Besuchern zugĂ€ngliche Fahrerlager und vor allem die nach den RennlĂ€ufen offenstehende Start- und Zielgerade. Hier kam es zwischen Teams und GĂ€sten zu angeregten Benzin-GesprĂ€chen und gelegentlich wurde fĂŒr den nĂ€chsten Lauf spontan eine Mitfahrt vereinbart.

Text: Alexander Voigt, Oliver Kammern