Volante Sammlung wird versteigert


Die weltweit grĂ¶ĂŸte Sammlung von Automobilen, die mit einer französichen Vanvooren Karosserie ausgestattet wurden, gehört zur Volante Sammlung in Kirchzarten bei Freiburg. Die genaue Zahl der noch existierenden Vanvooren Karosserien ist unbekannt, man schĂ€tzt die Zahl aber bei 150. Davon befinden sich 9 Fahrzeuge im Besitz des Sammlers Martin Waltz, der die Volante Sammlung zusammen gestellt hat. Jetzt wird diese Vanvooren Sammlung wĂ€hrend der RĂ©tromobile in Paris Artcurial versteigert.

Alles begann mit dem Fund einer Hispano Suiza-„Ruine“ mit Vanvooren Karosserie in der Schweiz. Martin Waltz gelang es, das Fahrzeug zu kaufen und zu restaurieren. In den kommenden acht Jahren suchte er nun Vanvooren Karosserien, besuchte Sammler, Museen, Historiker und auch Archive und legte das grĂ¶ĂŸte Register fĂŒr Fahrzeuge mit Vanvooren Karosserien an. Aus diesem Fundus soll in der Zukunft ein Buch ĂŒber die Karosseriefirma veröffentlicht werden.

Unter den Fahrzeugen, die aus der Sammlung versteigert werden, ist ein absolut original erhaltener und unrestaurierter Panhard & Levassor Type X14 7-Sitzer, der einst nach Argentinien ausgeliefert wurde und dort bis in die 1990er Jahre blieb. 1995 wurde das Fahrzeug in England bei einer Auktion versteigert. Das Fahrzeug wurde nur sehr wenig gefahren und wurde von allen Vorbesitzern behutsam im Originalzustand erhalten. Es ist eines der Àltesten Fahrzeuge mit Vanvooren Karosserie, dass noch fahrbereit ist.

Martin Waltz ist Liebhaber wahrer OriginalitĂ€t. Eine Komplettrestauration in einen Zustand besser als Neu kĂ€me fĂŒr ihn niemals in Frage. Vielmehr verwendet er sein gesamtes Wissen in eine substanzerhaltende Instandsetzung des originalen Zustands, um weitere SchĂ€den oder einen Verfall entgegen zu wirken und den unrestaurierten Zustand zu konservieren. So auch bei dem Alvis Speed 20, dessen Chassis 1935 zu Vanvooren ausgeliefert wurde. Im gleichen Jahr wurde das Fahrzeug mit der Ă€ußerst eleganten Cabriolet-Karosserie auf dem Pariser Automobilsalon gezeigt. Das Fahrzeug wurde anschließend von einem bekannten französischen Anwalt erworben und blieb bis 1966 in dessen Besitz. Serge Pozzoli, GrĂŒnder des Magazins „Le fanatique de lÂŽAutomobile“, war der nĂ€chste EigentĂŒmer. Nach seinem Tod behielt die Familie das Fahrzeug und verkaufte es 2012 ĂŒber einen HĂ€ndler an Martin Waltz. Drei Jahre lang arbeitete Martin Waltz an der substanzerhaltenden Instandsetzung des Alvis. Mit einem Skalpell trug er vorsichtig die einst aufgetragene zweite Lackierung ab und legte den originalen Lack frei. Die Innenausstattung wurde repariert und konserviert. Der Alvis Speed 20 ist ebenfalls ein perfektes Exemplar fĂŒr OriginalitĂ€t.

Der Bugatti T57 aus der Volante Sammlung, Baujahr 1939, wurde mit einer von zwei Vanvooren Karosserien, die auf einem Bugatti T57 aufgebaut wurden, ausgestattet. Der Bugatti war ĂŒber lange Zeit hinweg ein echtes RĂ€tsel, auch fĂŒr Bugatti-Kenner. Die Karosserie fĂŒr einen Bugatti T57C wurde bereits 1938 von Vanvooren fĂŒr den Pariser Automobilsalon gefertigt. Nach dem Pariser Automobilsalon wurde das Vanvooren-Cabriolet an den in den 1920er Jahren berĂŒhmten Tennisspieler Jean Washer in Belgien ausgeliefert. WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs wurde das Cabriolet von der Deutschen Wehrmacht beschlagnahmt und teilweise fĂŒr den militĂ€rischen Einsatz umgebaut. Zwischen 1944 und 1950 wurde die Karosserie vermutlich auf ein neues Chassis von 1936 gesetzt und ein neuer Motor eingebaut. Ein ĂŒbliches Vorgehen in dieser Zeit, wenn die Technik schwer beschĂ€digt war. GlĂŒcklicherweise fand Waltz bei den Nachkommen der Vorbesitzer einige Fotos des ursprĂŒnglichen Zustands der Karosserie. So konnte der Bugatti in den ursprĂŒnglichen Zustand von 1938 zurĂŒckversetzt werden.

Auch zur Versteigerung kommt das allerletzte Fahrzeug das 1950 das Vanvooren Werk in Courbevoie verlassen hat, der Delahaye 135M. In den 1970er Jahren war der Delahaye im Besitz des vierfachen Rallye Weltmeisters Bernhard Consten. Die Metallic Nitro-Lackierung des Fahrzeugs ist ein Einschichtlack mit echten Metallic Flocken, wie ursprĂŒnglich ausgeliefert. Der Delahaye wurde zwischendurch von einem Besitzer in Blau umlackiert und das große Schiebdach durch eine Plexiglasscheibe ersetzt. Martin Waltz ließ auch dieses Fahrzeug so weit wie möglich in den originalen Zustand zurĂŒckversetzen und erhielt dabei alle originalen Teile und das patinierte Lederinterieur. Das Estimate fĂŒr dieses außergewöhnliche Fahrzeug liegt bei 250.000 bis 350.000 Euro.

Auch aus der Volante Sammlung stammt das außergewöhnliche 1937 Horch 5 Liter 853 Cabriolet im unrestaurierten Zustand. Der Horch weist gerade einmal 20.000 Kilometer auf dem Tacho aus. Er stammt aus Norwegen und wurde im zweiten Weltkrieg durch die Deutsche Wehrmacht konfisziert. Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs wurde der Horch an den norwegischen Kronprinz Olav ĂŒbergeben, der ihn fĂŒr die Siegerparade in den Straßen von Trondheim einsetzte.
Fotos: Artcurial / Kay MacKenneth