Volvo & die Kombi-Limousinen


Kaum eine andere Marke ist so sehr dem Kombi verbunden wie Volvo. 1953 kombinierte der Duett PV445 erstmals die Transporttalente klassischer Nutzfahrzeuge mit der Vielseitigkeit moderner Familienfahrzeuge. Die Modellbezeichnung des Modells mit Platz fĂŒr bis zu sieben Passagiere war dabei Programm, denn Duett stand fĂŒr „zwei Fahrzeuge in einem“. TatsĂ€chlich entsprach der vor 65 Jahren vorgestellte Wagen in Frontdesign, Antriebstechnik und Sicherheitstechnik der Limousine PV 444, dem so genannten „Buckel-Volvo“, wĂ€hrend die Gestaltung des Kombihecks noch einem Kleintransporter Ă€hnelte und auch dessen Ladevolumen bot.

Der Duett war in zwei Varianten verfĂŒgbar: Als Transporter – geschlossener Kasten oder verglaster Lieferwagen – sowie als wegweisende Kombilimousine mit bis zu zwei umklappbaren RĂŒcksitzreihen und voll verglasten Seiten. Leichtes Beladen ermöglichten zwei weit öffnende hintere PortaltĂŒren.

Weder der 1962 vorgestellte Volvo Amazon Kombi noch der 1967 prĂ€sentierte Kombi Volvo 145 beendeten damals die Karriere des Duett, der schon wĂ€hrend der Produktionszeit Kultstatus erreichte. In den Ruhestand geschickt wurde der frĂŒhe Familienkombi erst nach 101 333 Einheiten und 16 Jahren Bauzeit, als 1969 neue schwedische Zulassungsbestimmungen in Kraft traten.

Mit dem 240 Kombi brachte die Marke das Auto, das fĂŒr seine Fans „der Volvo unter den Volvo” ist. Er galt seinerzeit als Referenzfahrzeug fĂŒr die Sicherheitsforschung und ist bis heute mit rund einer Million verkaufter Einheiten der erfolgreichste Kombi in der Geschichte des Unternehmens. Am 5. Mai 1993 wurde das letzte Exemplar an eine schwedische Besitzerin ĂŒbergeben.

Entstanden war das erfolgreiche Konzept des 1974 vorgestellten Volvo 240 Kombi als Weiterentwicklung des von Jan Wilsgaard ebenfalls in kantig-klassischen Linien gezeichneten Volvo 145. RevolutionĂ€r wirkten allerdings die gewaltig-großen SicherheitsstoßfĂ€nger des Volvo 240, zu deren Entwicklung das Sicherheits-Concept-Car Volvo VESC inspiriert hatte. Auch beim Insassenschutz setzte der 240 zu seiner Zeit Standards, wie die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA bestĂ€tigte, die den Volvo im Jahr 1976 zur Referenzbaureihe fĂŒr ihre Sicherheitsforschung wĂ€hlte. Benchmark beim Insassenschutz blieb der Volvo 240 ĂŒber seine ganze Bauzeit, so bezeichnete das amerikanische Versicherungsinstitut IIHS noch 1993 den Volvo 240 als Fahrzeug mit den wenigsten UnfĂ€llen mit Todesfolge unter den von 1988 bis 1992 in den USA verkauften Fahrzeugen.

Auch in Sachen Umweltschutz ĂŒbernahm der 240 eine Vorreiterrolle: 1976 lieferte Volvo die weltweit ersten Kombis mit geregeltem Drei-Wege-Katalysator und Lambdasonde nach Kalifornien.

FĂŒr Familien ebenfalls wichtig war natĂŒrlich das geradezu riesige Raumangebot des variablen, fast 4,90 Meter messenden Kombis. Wie der Duett blieb der 240 Kombi (auch Volvo 245 = Baureihe 240, fĂŒnf TĂŒren) parallel zu seinem Nachfolger (740) in Produktion.

1993 folgte dann der Volvo 850 mit quer eingebauten und bis zu 250 PS (184 kW) starken FĂŒnf-Zylinder-Motoren. Die bis zu 250 km/h flotten FĂŒnftĂŒrer zĂ€hlten damals zu den schnellsten Kombis ĂŒberhaupt. Ende 1996 debĂŒtierte der Volvo 850 AWD Kombi als erster skandinavischer Pkw mit variablem Vierradantrieb. Der fĂŒr maximale Raumausnutzung stringent geformte 850 bot ebenfalls neue Sicherheitsmerkmale: Er verfĂŒgte ĂŒber den Seitenaufprallschutz SIPS (integrated side-impact protection system), die automatische Sicherheitsgurthöhenverstellung ARH (Automatic Retractor Height Adjustment) und wurde als weltweit erstes Großserienfahrzeug mit Seitenairbags ausgestattet. In gut drei Jahren entstanden 326 000 Einheiten.