Vor 50 Jahren – Opel GT auf dem Motodrom


FĂŒr eine Stunde hielt der Hockenheimring den Atem an. Die Testteams mit ihren Formel-Rennern und Tourenwagen unterbrachen ihre Arbeit und stellten sich entlang der Boxenmauer auf – und da kamen sie: 75 tipptopp gepflegte Opel GT aus ganz Europa donnerten an Start-und-Ziel vorbei.

Opel Classic brachte dabei den Ă€ltesten GT von 1968 („die Nummer 1“) und den jĂŒngsten von 1973 an den Start.
AngefĂŒhrt wurde das Feld von Walter Röhrl, 1982 Rallye-Weltmeister auf einem Opel Ascona 400, und dem Designer des GT, Erhard Schnell, als Copilot. Die beiden saßen im privaten silberfarbenen Opel GT von Röhrl. Auch mit dabei: Opel-Rennlegende Volker Strycek ebenfalls in seinem eigenen Opel GT Junior sowie seltene Tuning-Varianten von Irmscher und Conrero.
Anlass fĂŒr die schnellen Runden auf dem Hockenheimring war der 50. Geburtstag des Opel GT. Vom 21. bis zum 29. Oktober 1968 hatte Opel zu den GT-Testtagen ins Badische eingeladen. Bei der damaligen PrĂ€sentation standen 41 Opel GT 1100 und Opel GT 1900 sowie 44 weitere Sportmodelle vom Rallye Kadett bis zum Commodore GS bereit. Journalisten, HĂ€ndler, VerkĂ€ufer, Kunden und Sportfahrer konnten sich von den Talenten des damaligen Newcomers ĂŒberzeugen.

Passend zum Werbeslogan „Nur Fliegen ist schöner“ zeigten die schwedischen Rallye-Piloten Lillebror Nasenius (Europameister 1966 auf Opel Rekord) und Sylvia Österberg auf Demorunden inklusive Sprungeinlagen, wozu der neue Sportwagen aus RĂŒsselsheim fĂ€hig war. 50 Jahre spĂ€ter lenkt der zweimalige Rallye-Weltmeister Walter Röhrl seinen silberfarbenen Opel GT mit unnachahmlicher PrĂ€zision ĂŒber den Hockenheimring. Der Perfektionist am Steuer hat den Opel GT von einem langjĂ€hrigen WeggefĂ€hrten gekauft, vom Opel-Chefmechaniker Herbert Fabian, der 1982 Röhrl seinen zweiten WM-Titel rettet als er bei der Rallye ElfenbeinkĂŒste dem Ascona 400 ĂŒber Nacht eine neue Hinterachse einbaute. Das Team Röhrl/Geistdörfer gewann die Rallye und die Weltmeisterschaft.

2016 besucht Walter Röhrl seinen Freund zu dessen Geburtstag im hessischen Trebur. Da zeigt ihm Fabian einen silberfarbenen GT in Bestzustand und eröffnet ihm, dass er das CoupĂ© ĂŒber zehn Jahre hinweg restauriert habe, aber es ihm inzwischen zu mĂŒhselig sei, in den engen Sportwagen zu krabbeln. „Dann verkauf ihn bitte mir“, ist Röhrls spontane Reaktion. „Es gibt drei GrĂŒnde, warum ich den GT haben wollte. Der erste ist, dass in meiner Jugend jeder, auch ich, von diesem CoupĂ© trĂ€umte. Dann erinnert mich das Auto an die Zeit und die gemeinsamen Erfolge mit Opel und an die Freundschaft mit Herbert Fabian.“

Bei der Grand Tour trifft Walter Röhrl erstmals auf jenen KĂŒnstler, der dem GT seine einzigartige Form schenkte – Erhard Schnell. Der Designer ist auch mit 91 Lebensjahren Feuer und Flamme fĂŒr seinen großen Wurf. „Schon 1968 waren die Reaktionen großartig, doch heute habe ich das GefĂŒhl, wird der GT sogar noch ein bisschen mehr geliebt“, erzĂ€hlt er. Schnell ĂŒbernimmt in Hockenheim die Rolle des Copiloten von Walter Röhrl. ZurĂŒck im Fahrerlager kommt dem „Langen“ aus Regensburg eine Idee: Er bittet Schnell, seinen GT auf einem der legendĂ€ren Klappscheinwerfer zu signieren. Zum ersten Mal ist es Röhrl, der jemanden um ein Autogramm bittet.

Beim Revival der Opel-Tage in Hockenheim wollen alle dabei sein: Der PrĂ€sident des amerikanischen GT Clubs, Gil Wesson, ist ĂŒber den großen Teich geflogen. Er hatte in diesem Jahr bereits eine achttĂ€gige Geburtstagstour entlang der legendĂ€ren Route 66 durch die USA organisiert. Der Regisseur der Grand Tour heißt Olaf Moldzen. Der Norddeutsche aus Ratzeburg steht dem Dachverband europĂ€ischer Opel GT Clubs vor. Dazu gehören aktuell 28 Vereine mit rund 1450 Mitgliedern und 1550 Fahrzeugen. Klar, dass Moldzen auch in Hockenheim mit seinem 69er GT 1900 sowie obendrein einem Irmscher-Tourenwagen am Start steht.

Apropos Rennwagen: Neben einem zweiten, neu aufgebauten CoupĂ© von Opel-Haustuner Irmscher röhrt ein Conrero GT im Motodrom. Der Renner aus Italien ist der Held der Targa Florio von 1971, wo er sich gegen motorisch ĂŒberlegene Konkurrenz von Porsche behaupten konnte. Ebenfalls sehr auffĂ€llig ist der orangefarbenen GT 1900 Junior von Volker Strycek. Der Direktor Performance Cars und Motorsport bei Opel lenkt seinen Oldie wie immer leidenschaftlich durch die Kurven.

1968 rollte der erste Opel GT vom Band, zuvor auf Herz und Nieren geprĂŒft im damals neuen Opel Test-Center Dudenhofen. Das SportcoupĂ© war das Ergebnis einer deutsch-französischen Zusammenarbeit und somit ein waschechter EuropĂ€er: Die französischen Karosseriebauer Chausson und Brissoneau & Lotz, bei Opel aufgrund vorangegangener Projekte wohlbekannt, ĂŒbernahmen die Press- und Schweißarbeiten der Blechteile sowie Lackierung und Innenausstattung. In Deutschland fand die Montage von Fahrwerk und Motor statt.