Vor 60 Jahren – Technologien erobern Autos: Mercedes-Benz 300d


Die 1950er Jahre sind von der Massenmotorisierung der westlichen Welt geprĂ€gt. Das fĂŒhrt zu immer dichterem Straßenverkehr und zu steigenden Unfallzahlen. Vor diesem Hintergrund intensivieren die Mercedes-Benz-Techniker und Ingenieure ihre Arbeitzeit in Lösungen fĂŒr die Fahrzeugsicherheit.

Mercedes-Benz 220 SE (W 128, 1958 bis 1959). Das Bild zeigt einen Versuchswagen auf Erprobungsfahrt.
Mercedes-Benz 220 SE (W 128, 1958 to 1959). The image shows a test vehicle on a trial drive.

So wird 1958, 18 Jahre vor der EinfĂŒhrung der Gurtpflicht in der Bundesrepublik Deutschland, der Sicherheitsgurt erstmals als Sonderausstattung in Mercedes-Benz Personenwagen angeboten.

Seine Premiere hat der Sicherheitsgurt bei Mercedes-Benz im 300 SL Roadster (W 198, 1957 bis 1963). Das RĂŒckhaltesystem ist als Beckengurt ausgefĂŒhrt, Ă€hnlich wie im Flugzeug. Dazu passt die AnkĂŒndigung der neuen Sonderausstattung im Jahr 1957 als „Gurt zum Anschnallen, Flugzeugbauart“. EingefĂŒhrt wird das System 1958 bereits unter dem heute noch gĂ€ngigen Namen Sicherheitsgurt.

Je Sitz kostet die Sonderausstattung im 300 SL Roadster damals 110 DM. Zum Vergleich: FĂŒr ein RadiogerĂ€t des Modells Becker Mexiko mit automatischer Antenne mĂŒssen die KĂ€ufer des eleganten Hochleistungssportwagens zur selben Zeit als Sonderausstattung 810 DM bezahlen. Noch 1958 bietet Mercedes-Benz fĂŒr alle Personenwagen mit vorderen Einzelsitzen vergleichbare Sicherheitsgurte an. Im Mercedes-Benz 220 S (W 180) kosten sie zum Beispiel 120 DM, im Typ 300 (W 189) 150 DM pro Sitz.

Das RĂŒckhaltesystem Sicherheitsgurt wird kontinuierlich weiterentwickelt. Aus den an der Karosserie befestigten Bauch- beziehungsweise Beckengurten werden zunĂ€chst Schultergurte mit zwei Befestigungspunkten (ab 1961 fĂŒr alle Fahrzeuge mit Gurtbefestigung an den Vordersitzen) und schließlich der Dreipunktgurt. Er setzt sich Ende der 1960er-Jahre durch und wird in Kombination mit einer Aufrollfunktion zum Sicherheits-Automatikgurt. Dieser wird 1973 bei allen Mercedes-Benz Personenwagen als Serienausstattung auf den Vordersitzen und 1979 auch auf den FondplĂ€tzen eingefĂŒhrt.

Bereits im Mai 1948 hatte Mercedes-Benz die durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochene Forschungs- und Entwicklungsarbeit wieder aufgenommen. Dabei standen Lösungen fĂŒr die passive Sicherheit im Vordergrund. Aber auch Lösungen fĂŒr die sogenannte Konditionssicherheit fĂŒhrt die Stuttgarter Marke ein, wie im Jahr 1958 besonders die ReprĂ€sentations-Fahrzeuge des Typs 300 (intern 300 d, W 189) zeigen: Durch die EinfĂŒhrung von Servolenkung und Klimaanlage wird der Komfort des Fahrers gesteigert. Das wird auch als Beitrag zu einem entspannten, ermĂŒdungsfreien und damit sicheren Fahren gewertet.

Ab MĂ€rz 1958 wird zunĂ€chst im Mercedes-Benz 300 das ZF-Saginaw-Servo-Lenkgetriebe als Sonderausstattung angeboten. Voraussetzung dafĂŒr war die AusfĂŒhrung mit Automatikgetriebe. Damit ist das als „Adenauer-Mercedes“ bekannte Fahrzeug das erste Mercedes-Benz-Automobil mit Servolenkung. Im Dezember des gleichen Jahres folgt dann – ebenfalls fĂŒr den Typ 300 – eine Klimaanlage als Sonderausstattung. Sie zielte seinerzeit vor allem auf Kunden in LĂ€ndern mit tropischem Klima ab und wird deswegen als KĂŒhlanlage angeboten. Das Komfortmerkmal kostet damals 3500 DM Aufpreis – fast so viel wie ein fabrikneuer Volkswagen „KĂ€fer“ .

Die Innovationskultur fĂŒhrt bei Mercedes-Benz auch dazu, dass neue Technologien bald in der Großserie verfĂŒgbar sind. Als typisches Beispiel dafĂŒr steht der 115 PS (85 kW) starke Mercedes-Benz 220 SE „Ponton“ (W 128) mit Benzineinspritzung. Er wird Anfang September 1958 vorgestellt. Mit diesem Fahrzeug hĂ€lt die seinerzeit bereits seit einigen Jahren etablierte Technologie zur Leistungs- und Effizienzsteigerung schließlich Einzug in die Mercedes-Benz Großserienfertigung. Der Aufpreis gegenĂŒber dem Typ 220 S mit Vergasermotor (W 180) betrĂ€gt 1900 DM.