Wiederauferstehung BMW Garmisch


Ob er irgendwo in einer Garage unbeachtet steht? Der BMW Garmisch, ein Konzeptfahrzeug auf Basis des BMW 2002 war von Marcello Gandini fr Bertone entworfen worden und nach der Enthllung auf dem Genfer Automobilsalon 1970 spurlos verschwunden. BMW Classics widmete sich dem verschwundenen Fahrzeug und lie es zu neuem Leben auferstehen. Eine Hommage an einen der einflussreichsten Automobildesigner aller Zeiten und eine spannende Ergnzung zur eigenen Firmengeschichte.

Marcello Gandini ist fr mich einer der Gromeister des Automobildesigns und seine Entwrfe waren schon immer eine wichtige Inspirationsquelle fr meine Arbeit, sagt Adrian van Hooydonk, Senior Vice President der BMW Group Design. Der BMW Garmisch fasziniert ihn, seit er vor einigen Jahren eine verblichene Fotografie des Autos entdeckte. Indem wir den BMW Garmisch ein zweites Mal entstehen lassen, mchten wir Marcello Gandini die Ehre erweisen, uns eines seiner weniger bekannten Automobile in Erinnerung rufen und den stilistischen Einfluss von Bertone auf die Evolution des BMW-Designs beleuchten. Allein die Mglichkeit, die Geschichte von BMW zu vervollstndigen und die Lcken zu schlieen, waren es uns wert, dieses Projekt voranzutreiben.

Italienische Design- und Karosseriebaukultur haben BMW schon seit den frhen Tagen der Marke inspiriert und beeinflusst. Vom BMW 328 Mille Miglia mit seiner leichtgewichtigen Aluminiumhlle aus der Carrozzeria Touring bis zum keilfrmigen, von Giorgetto Giugiaro entworfenen BMW M1 gab es stets einen lebendigen Austausch von Konzepten und Ideen ber die Alpen hinweg. Und wie viele andere italienische Konzeptautos der 1960er und 1970er Jahre wurde auch der BMW Garmisch bei Bertone als unabhngiger Designvorschlag entwickelt, um das kreative Potential des Studios zu demonstrieren. Die ursprngliche Idee kam von Nuccio Bertone persnlich, der unsere bestehende Beziehung zu BMW mit einer berraschenden Designstudie auf dem Genfer Autosalon festigen und ausbauen wollte, erinnert sich Marcello Gandini, der zu jener Zeit Bertones Designstudio leitete.

Wir wollten ein Mittelklasse-Coup entwickeln, das einerseits der Formensprache von BMW treu blieb, andererseits aber auch etwas dynamischer herberkam und sogar ein wenig provozierte. Whrend die Seitenflchen des Autos sehr aufgerumt und glatt wirkten, zog der BMW Garmisch mit seinem khnen, kantigen und vertikal positionierten Khlergrill und den rechteckigen, verglasten Scheinwerfern die Aufmerksamkeit auf sich. Weitere ungewhnliche Details waren die Lufteinlsse in den C-Sulen, die mehr an Sportwagen erinnerten, und die wabenfrmig strukturierte Sonnenschutzblende auf der Heckscheibe ein typisches Stilelement Marcello Gandinis.

Obwohl das Auto in nur wenigen Monaten fertig gestellt wurde, lie sich das Designteam nicht die Gelegenheit nehmen, dem Innenraum ebenfalls einen eigenstndigen Charakter zu verleihen: Mit seinem ungewhnlichen Radio, das im Hochformat in der Mittelkonsole angeordnet wurde, einem groen Klapp-Spiegel fr den Beifahrer und einer extravaganten Kombination von Farben und Materialien variierte der BMW Garmisch die eher funktionalistischen Einrichtungsvorlieben der Zeit auf piemontesisch-elegante Weise. Laut Marcello Gandini wurde sogar die Modellbezeichnung des Autos so gewhlt, dass sie mglichst viel Aufmerksamkeit erregte. Skifahren war zu dieser Zeit in Italien uerst populr. Und der Name Garmisch beschwor Trume von Wintersport und alpiner Eleganz.

In dem er dem Originalfahrzeug so treu wie mglich bleibt, ist der neue BMW Garmisch ein beeindruckendes Beispiel fr die Kompetenz von BMW in den Bereichen Design-Forschung und Prototypenbau. Da so gut wie keine Originaldokumente mehr existieren, musste das interdisziplinre, aus den Abteilungen BMW Group Design und BMW Classic einberufene Team von Spezialisten jedes Karosserie- und Interieur-Detail des BMW Garmisch von einer Handvoll alter Fotografien ableiten, die zum Groteil sogar nur in Schwarzwei vorlagen. Marcello Gandini untersttzte die Recherchen als Zeitzeuge mit eigenen Erinnerungen an den Entwicklungsprozess. So konnte das Designteam wichtige Details wie die Auenfarbe ein helles Champagnergold-Metallic im Stil der italienischen Mode dieser Zeit sowie die Materialien im Innenraum rekonstruieren. Und whrend die neueste 3D-Modellbautechnologie zum Einsatz kam, um die ursprnglichen Strukturen und Formen zu spezifizieren, wurde der BMW Garmisch von kunstfertigen Karosseriekonstrukteuren in Turin von Hand gebaut genau wie das Original vor fast 50 Jahren.

Als ich hrte, dass der BMW Garmisch nochmals gebaut werden soll, war ich zunchst etwas berrascht, erinnert sich Marcello Gandini an sein erstes Treffen mit Adrian van Hooydonk, der ihn im Sommer 2018 in Turin besuchte, um den Segen des Urhebers zu erhalten. Nun bin ich sehr froh, dass ich Teil dieses Projektes sein konnte und dass sich BMW dazu entschlossen hat, diese freudvolle Zeit noch einmal aufleben zu lassen. Nachdem ich das fertige Auto gesehen habe, fllt es mir schwer, es vom Original zu unterscheiden.

Mit seiner reduzierten Designsprache, den przise gezogenen Linien und klaren geometrischen Formen ist der BMW Garmisch ein Archetyp jenes radikalen neuen Stils, den italienische Studios wie Bertone, Italdesign und Pininfarina in den spten 1960er und frhen 1970er Jahren entwickelten und der bis heute ein wichtiger Referenzpunkt fr Automobildesigner ist. Als Botschafter eines vorwrtsgewandten Designverstndnisses soll der BMW Garmisch nun auch zeitgenssische Designer dazu inspirieren, die Formen des Automobils immer wieder zu hinterfragen und neu zu erfinden. Beim Concorso dEleganza Villa dEste reflektieren wir die Vergangenheit, wir denken aber auch an die Zukunft, sagt Adrian van Hooydonk. Marcello Gandinis Entwrfe waren immer sehr klar und schlicht, dabei aber auch sehr dramatisch. Deshalb finde ich seine Arbeit so inspirierend. Er hat mit wenigen Designelementen stets etwas Spektakulres geschaffen. Diesen Ansatz, mit einfachen Mitteln viel zu erreichen, halte ich noch immer fr uerst modern.

Marcello Gandini wurde 1938 geboren und gilt als einer der einflussreichsten Automobildesigner des 20. Jahrhunderts. Whrend der 15 Jahre, in denen er das Designstudio von Bertone in Turin leitete, entwarf er einige der mutigsten und revolutionrsten Automobile dieser Epoche darunter scharfkantige Konzeptstudien wie den Lancia Stratos Zero oder den Alfa Romeo Carabo. Die von ihm geschaffenen Sportwagenikonen wie der Lamborghini Miura werden heute von Sammlern begehrt und bei Concours-Veranstaltungen in aller Welt gefeiert. Neben dem BMW Garmisch waren Marcello Gandini und sein Designteam bei Bertone auch an der Entwicklung des BMW Spicup und der ersten Generation der BMW 5er Reihe, die unter der Leitung des ehemaligen BMW-Designchefs Paul Bracq entstand, beteiligt.