Youngtimer & Youngsters auf der Rallye


Viel Power zum erschwinglichen Preis – dafĂŒr standen Anfang der 1990er Jahre – neben den etablierten Massensportlern, wie dem Golf GTI oder seinem kraftvolleren Bruder VR-6 – die Volkswagen-Modelle Corrado G60 und Polo G40.

Text & Fotos: Alexander Voigt / Tim Westermann

Volkswagen Classic brachte die Zwei Kraftpakete am vergangenen Wochenende bei der „Autozeitung Youngtimer Classic (AZYC)“ zum Einsatz. Diese eintĂ€gige Rallye entwickelt sich allmĂ€hlich zu einer Institution in der Youngtimer-Szene.
Die rund 100 StartplĂ€tze fĂŒr die AZYC sind heiß begehrt, was besonders an den teilweise spitzfindig konzipierten WertungsprĂŒfungen des Fahrtleiters Christian Schön liegt. „Endlich muß Papa einmal auf mich hören!“ Sichtlich zufrieden zeigte sich die elfjĂ€hrige Darla Skoracki mit dem Verlauf des Beifahrerlehrganges der Rallye in der Frankfurter Klassikstadt. Soeben hatte sie erfahren, dass der Beifahrer auf der Strecke immer Recht hat, da nur er, oder in diesem Falle sie, die korrekte Strecke anhand des Roadbooks ansagen kann.

Die kecke Wolfsburgerin war mit Abstand die jĂŒngste Teilnehmerin der diesjĂ€hrigen Youngtimer Rallye, die nach ihrer ersten Auflage rund um Euskirchen nun bereits zum dritten Mal am Main startete und in einem weiten Bogen ĂŒber den Großen Feldberg nach Mainz und wieder zurĂŒck fĂŒhrte.

Darlas Vater, Thorsten Skoracki, hatte im vergangenen Jahr als Gast und Fahrer von Volkswagen Classic auf einem Golf II GTI Rallye-Blut geleckt und schon 2012 ĂŒberlegt, ob das nicht auch fĂŒr seine clevere Tochter etwas sein könnte. Und das war es. Vater und Tochter beendeten mit ihrem 1978er Triumph Spitfire die Ein-Tages-Rallye nach acht GleichmĂ€ĂŸigkeitsprĂŒfungen und zwei Navigationsaufgaben auf einem sensationellen zwölften Platz.

Etwas besser schnitten die anderen Wolfsburger ab. Die Mannschaft von Volkswagen Classic war mit drei automobilen Ikonen der 1980er Jahre nach Frankfurt gekommen. Ein Golf II als Symbol der Massenmotorisierung zusammen mit einem Polo G40, der an die kleinen Renner des Jahrzehnts erinnern sollte und einem echten Unikat: Ein 1989er Corrado G60. „So einen hatte ich damals auch“, hörte man hĂ€ufiger am vergangenen Samstag. Aber dieser OsnabrĂŒcker ist etwas Besonderes. Er wurde speziell fĂŒr die GeschĂ€ftsfĂŒhrung gebaut und kann als 16-Ventiler und absolutes EinzelstĂŒck auf 210 PS zurĂŒckgreifen. Damit schrumpften nicht nur die Steigungen des Großen Feldberges zu denen eines flachen HĂŒgels.

Den Reiz der Veranstaltung machen die zahlreichen Privatfahrer aus, die zu diesem Anlass ihre SchĂ€tze aus Garagen und Scheunen holen und sich zum Teil erstmalig auf das Abenteuer einer Klassik-Rallye einlassen. Das bedeutet, dass dann auch einmal unmittelbar vor dem Start fĂŒr die technische Abnahme Verbandkasten und Warnwesten aus dem Baumarkt besorgt werden mĂŒssen. Aber immerhin hatte man zuhause an zeitgemĂ€ĂŸe Kleidung gedacht und so wurde der VW Bus T2 stilecht im Hippie-Outfit der 1970er Jahre durch den Taunus gesteuert. Zur Freude der ehemaligen Landkommunarden, die ihre Wohnprojekte schon lĂ€ngst gegen schmucke HĂ€user am Rande von Frankfurt eingetauscht haben. Die Zeiten Ă€ndern sich eben.

Aber die Hauptsache ist: „Es hat wirklich so viel Spaß gemacht“, wie Darla Skoracki hinterher bestĂ€tigte wĂ€hrend sie die Siegerehrung bis zum Ende verfolgte. Ehrensache unter Motorsportkollegen, um dann nach einem langen Tag erschöpft aber glĂŒcklich ob des eigenen Erfolges zusammen mit ihrem Vater in Richtung des wartenden Hotelbettes aufzubrechen.

Aufgepasst MĂ€nner, mit der jungen Asphalt-Queen wĂ€chst eine echte Konkurrenz heran. Das wird auch den Gesamtsiegern, Peter Göbel und Matthias Kahle nicht entgangen sein. Die beiden Rallye-Asse haben fĂŒr die AZYC ausnahmsweise mal die PlĂ€tze im Cockpit getauscht. Peter Göbel, sonst Beifahrer, griff ins Lenkrad des Skoda 130 RS aus dem Jahr 1975, wĂ€hrend der siebenmalige deutsche Rallye-Meister Matthias Kahle den Job als Beifahrer mit Stoppuhr und Roadbook ĂŒbernahm.

Angesichts der sommerlichen Temperaturen waren die rund 286 Kilometer der Rallye im tschechischen Klassiker eine echte Herausforderung, denn der RS 130 hat keine Klimaanlage. Lediglich zwei postkartengroße Schiebeluken sorgen fĂŒr kĂ€rglichen Luftzug im Cockpit. „Wenigstens merkt dann keiner, dass wir vielleicht wegen der ungewohnten Rollenverteilung so ins Schwitzen kommen“, scherzte Matthias Kahle schon bei der technischen Abnahme.