AUDI F103 – 50 Jahre Vierzylinder


Äußerlich unterschied sich der erste Nachkriegs-Audi auf den ersten Blick nicht wirklich wesentlich von seinem VorgĂ€nger, dem DKW F102. Doch unter der Motorhaube schlummerte ein Mitteldruck-Motor mit Vier Zylindern.


Sehen Sie hier das exklusive Video zum 50. JubilÀum des Audi F103.

Audi_F103_50Jahre

Die Audi F103 Generation war geboren. Sie fĂŒllte genau die LĂŒcke im Bereich der Mittelklassewagen, fĂŒr KĂ€ufer, die Opel und Ford seinerzeit zu amerikanisch fanden, italienischen Fiats fĂŒr zu flott gebaut und die BMWs und VW1600 zu unkonventionell einschĂ€tzten.
Im September 1965 wurde der erste Audi auf der Automobilmesse in Frankfurt prĂ€sentiert. Einen Typennamen gab es ursprĂŒnglich nicht. Äußerlich hatte das KĂŒhlergesicht ein Facelift bekommen und wirkte moderner mit seinen eckigen Scheinwerfern und dem Grill. Die Blinkleuchten waren jetzt seitlich neben den Hauptscheinwerfern.
Aber auf der IAA interessierte man sich aber weit mehr dafĂŒr, was unter der Haube steckte: Der neue Motor, unter dessen Bezeichnung „Mitteldruckmotor“, sich kaum jemand etwas vorstellen konnte. Es war ein beim damaligen Mutterkonzern Mercedes-Benz als Vielstoffaggregat fĂŒr die Bundeswehr entwickelter 1,7-Liter-Vierzylinderviertaktmotor.
Der mittlere Verbrennungsdruck lag bei diesem Motor mit 11,2:1 deutlich höher als bei anderen zeitgenössischen Motoren. DafĂŒr sorgten die relativ hohe Verdichtung und die spiralförmige AusfĂŒhrung der AnsaugkanĂ€le, angelehnt an die Technik des Dieselmotors, was mit verantwortlich fĂŒr den niedrigen Kraftstoffverbrauch und die hohe Effizienz der Motoren war. Eigentlich hĂ€tte die Front des neuen Autos verlĂ€ngert wegen des lĂ€ngeren Motors verlĂ€ngert werden mĂŒssen. Aber man behalf sich mit einem Kunstgriff, und setzte den KĂŒhler schrĂ€g links vor den Motor. Dadurch konnte die Optik und die positiven Fahreigenschaften beibehalten werden.
Mit der EinfĂŒhrung verschiedener Modellvarianten wurde die Modellbezeichnung „Audi“ durch die entsprechende PS-Zahl ergĂ€nzt. 1966 erschien im gleichen Kleid der Audi 80 und der Audi Super 90. Zwei Jahre spĂ€ter wurden die Modelle Audi 60 und Audi 75 in das Programm aufgenommen. Beim Audi 60 stimmte die Ziffer mit der PS Zahl nicht ĂŒberein. In Deutschland lag man mit 55 PS genau unter der nĂ€chsthöheren Versicherungsstufe und hatte damit die gewĂŒnschte Kundschaft im Blick: die Schar der KĂ€fer-Aufsteiger.

 

 

 

Die Vorderachse mit EinzelradaufhĂ€ngung an Doppelquerlenkern ist drehstabgefedert, die Federn liegen lĂ€ngs unter dem Fahrzeug. Die DĂ€mpfung der RadaufhĂ€ngung ĂŒbernehmen TeleskopstoßdĂ€mpfer. Gegen zu starke Kurvenneigung gibt es einen Querstabilisator.
FĂŒr die Reparaturfreundlichkeit des Wagens spricht, dass neben TĂŒren und Hauben auch alle vier KotflĂŒgel mit der Karosserie verschraubt und nicht verschweißt.
Der große Kofferraum hat einen ebenen Boden, in den der Tank integriert ist. Das Reserverad steht hinter der RĂŒcksitzbank, und fĂŒr den allgegenwĂ€rtigen Kleinkram gibt es rechts und links im Kofferraum zwei blecherne AblagefĂ€cher.
Alle Modelle wurden als Stufenheck-Limousine mit zwei und vier TĂŒren angeboten. FĂŒr den L, die luxuriösere Variante gab es unter anderem serienmĂ€ĂŸig Teakholzfolien-Armaturenbrett, Zweikreis-Bremssystem, Make-Up Spiegel und ZigarettenanzĂŒnder und als Option Liegesitze.

Mit Ausnahme des Audi Super 90 war der Audi F103 auch als dreitĂŒriges Kombimodell verfĂŒgbar. Wie bei vielen Fahrzeugen der frĂŒhen 70er Jahre setzte der Rost dem seinerzeit verarbeitete Blech schnell zu: KotflĂŒgel, TĂŒrunterkanten und Schweller gehörten zu den am hĂ€ufigsten befallenen Stellen.

Gebaut wurde die Audi F103 Generation von 1965 bis 1972. Als der Ur-Audi im Jahr 1972 vom kantig gestylten Audi 80 abgelöst wurde, ging er als Gewinner, mit insgesamt 416.862 verkauften Fahrzeugen.

 

 


Technische Daten 60L:

Baujahr: 1968 – 1972
Varianten: Audi 60, 60 L, 60 Variant
Leistung (in PS): 55 (40) bei 4750
Hubraum: 1496 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 137 km/h
Motor Vierzylinder – Viertakt – Reihe, wassergekĂŒhlt, hĂ€ngende Ventile, seitliche Nockenwelle ĂŒber Stoßstangen und Kipphebel
Getriebe 4-Gang, ab Okt 1969 Lenkradschaltung , Mittelschaltung auf Wunsch
Vorderachse EinzelradaufhĂ€ngung an Doppelquerlenkern, Drehstabgefedert, TeleskopstoßdĂ€mpfer, Querstabilisator
Hinterachse an LĂ€ngslenkern gefĂŒhrte Starrachse, Drehstabgefedert, TeleskopstoßdĂ€mpfer