Portrait – Renault 4CV – Vom Volksauto zum Rennsportler


Als Renault 1946 auf dem Pariser Automobilsalon den viertĂŒrigen Kleinwagen Renault 4CV ausstellten, hatte er auf Anhieb den Spitznamen weg: „La motte du beurre“ (kleiner Butterklumpen). ZurĂŒckzufĂŒhren ist das auf die auffĂ€llige Lackierung des Ausstellungsmodells in hellem Creme.

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Das hatte zwei GrĂŒnde. Zum einen sollte sich das neue Modell von Renault sichtbar aus dem Einheitsgrau des Nachkriegs-Straßenverkehrs herausheben, zum anderen war die Farbe schlicht ein gĂŒnstiger bRestposten, den die deutschen Besatzer in einer Lastwagenfabrik, die fĂŒr das Afrikacorps produziert hatte, zurĂŒck gelassen hatten. In Deutschland erhielt der kleine Franzose den liebevollen Beinamen „Cremeschnittchen“. Bereits wĂ€hrend des Krieges ab 1942 wurde heimlich am Konzept des Renault 4CV entwickelt. Die deutsche Besatzungsmacht hatte der Vichy-Regierung strengstens verboten, zivile Kraftfahrzeuge zu bauen oder entwickeln. Man wusste, dass in Deutschland ein ziviler Volkswagen entwickelt wurde. Der erste Prototyp des 4CV war Ende 1945 fertig. Es folgte ab 1947 die Serienproduktion und bereits Ende 1958 nahm der 4CV die magische HĂŒrde von 1 Millionen produzierte Fahrzeuge. Er wurde ein Bestseller und bis 1961 insgesamt ca. 2,1 Millionen Mal gebaut. Intern wurden der Renault 4CV als R1060 und R1062-Serie bezeichnet.

Spekulationen, nach denen Ferdinand Porsche wÀhrend seiner französischen Gefangenschaft bei der Entwicklung des Renault 4CV mitgewirkt haben soll tauchen immer wieder auf.

Wie auch der VW KĂ€fer, hat der Renault 4CV, die französische Variante des „Volkswagens“, einen Heckmotor. Dieser 4-Zylinder-Reihenmotor mit anfangs 721 ccm und 21 PS / 4000 U/min ist allerdings WassergekĂŒhlt. Die nötige KĂŒhl-Luft zieht der Heckmotor durch die seitlichen LufteinlĂ€sse vor den hinteren KotflĂŒgeln mit dem typischen Jugendstil-Gitter.

Im Gegensatz zum VW KĂ€fer hat der 4CV aber vier TĂŒren, die an der B-SĂ€ule eingehĂ€ngt sind. Die vorderen TĂŒren öffnen sich somit nach hinten, was im Volksmund als SelbstmördertĂŒren bezeichnet wird.

Ab 1949 nahmen einige modifizierte Renault 4CV durchaus erfolgreich an Rennen teil, bei der Rallye Monte Carlo, den 24 Stunden von Le Mans und an der Mille Miglia.

Neben den Renault R1060 und R1062-Modellen gab es auch eine Serie R1063, die allerdings in ĂŒberschaubarer StĂŒckzahl gebaut wurde. Neben den bekannten Rennfahrzeugen und den Polizeifahrzeugen in Paris, den 4CV Pies, gab es auch Exemplare, die als Einsatzfahrzeuge, ausgestattet mit einem Motor aus den Rennsportwagen, andernorts im Dienst waren.

Zu jener Zeit gehörte der 4CV zu den kleinen Helden bei zahlreichen Bergrennen und sportlich ambitionierte MÀnner optimierten Motoren und Getriebe. Eine eindeutige Zuweisung der Motoren und Getriebe aus diesem Zeitraum lÀsst sich heute nicht mehr nachvollziehen, da die R1063 Fahrzeuge mit unterschiedlichster Technik ausgestattet wurden. Dies reichte vom 720 ccm Motor mit Weber-Vergaser bis hin zu einem 845 ccm Motor mit zwei Doppelvergasern.

Auch spĂ€ter in der Dauphine verwendete Motoren wurden bereits testweise in den Renault R1063 Fahrzeugen eingesetzt. Einige Jahre spĂ€ter standen die R1063-Modelle auch Pate fĂŒr den Renault Alpine. Jean RĂ©dĂ©lĂ© modifizierte einen Renault 4CV R1063 und baute ein Derivat mit einer leichten Aluminium Karosserie auf dem Fahrwerk auf. Er nannte diese Fahrzeuge „Renault 4CV Speciale“ und konnte 1952 damit auf der Mille Miglia den Klassensieg einfahren. Dieser mit einem 850ccm 4-Zylinder Heckmotor ausgestattete Rennwagen wird heute als der Prototyp des Renault Alpine bezeichnet.

Wie hĂ€ufig bei Autos, die einst in Massen produziert wurden, ist der Bestand an Renault 4 CV-Oldtimern heute sehr gering, da der historische Wert des Fahrzeuges weniger im Fokus stand und sich der Aufwand der Erhaltung oder des Wiederaufbaus in keinem VerhĂ€ltnis zum eigentlichen Wert hĂ€lt. Auch das „Cremeschnittchen“, zĂ€hlt zu dieser Spezies.