Atemberaubender Rennsport am Hockenheim Ring


Man muss sich das vergegenwĂ€rtigen: Zehn Rennserien treten bei der Bosch Hockenheim Historic an. Es ist schlicht alles am Start, was Liebhaber historischen Rennsports begeistert, wenn das Jim Clark Revival vom 21. bis 23. April auf dem Hockenheimring Baden-WĂŒrttemberg zelebriert wird. Die meisten Serien sind offizielle FIAChampionate. Außerdem lockt die Zuschauer ein Rahmenprogramm der Superlative – mit Ausstellungen, familiĂ€rer AtmosphĂ€re und freiem Zugang zu Fahrerlager und in die Boxen. Die Veranstaltung jĂ€hrt sich zum 13. Mal – und huldigt dem zweimaligen Formel-1-Weltmeister Jim Clark, der 1968 in Hockenheim tödlich verunglĂŒckte.

BOSS GP – Feel the Power Sie gilt als schnellste Rennserie Europas – die „BOSS GP“. Der Name steht fĂŒr „Big Open Single Seater“, große, PS-starke Formelrennfahrzeuge eher jĂŒngeren Datums. Beispielsweise der Toro Rosso STR1 von 2006 des 2016er BOSS-GP-Champions Ingo Gerstl, der Jaguar R5 von 2004, pilotiert von Rekordmeister Klaas Zwart, oder ein Benetton B197 von 1997. Damals gewann Gerhard Berger im Benetton den GP Deutschland – in Hockenheim! Wer jetzt glaubt, dass diese großartigen Rennfahrzeuge „um den Kurs getragen“ werden, irrt gewaltig. Die Jungs geben richtig Gas. Hockenheim ist der Saisonauftakt fĂŒr sieben Veranstaltungen Ă  zwei Sprintrennen.

Neben den Highlights aus der Königsklasse bereichern das Starterfeld Monopostos anderer Rennserien, etwa ein 2007er Panoz DP01 aus der US-IndyCar. Auch aus der GP2, die im Rahmen der Formel 1 glĂ€nzt, mischen Boliden mit, aus der Worldseries by Renault 3.5, der F3000 oder der Superleague Formula. Allein der fliegende Start dieser nicht eben gerĂ€uscharmen Boliden ist ein akustischer Hammer! Da bebt die HaupttribĂŒne.

Lotus Cup Europe – Verneigung vor Jim Clark Die weltweit einzige offizielle Lotus-Rennserie ist eine Reminiszenz an Jim Clark – der Schotte begrĂŒndete mit seinem einzigartigen Fahrstil und -können vor mehr als fĂŒnf Jahrzehnten praktisch die Faszination Lotus. Die bis heute anhĂ€lt! In fĂŒnf Klassen treten die Lotus-Enthusiasten gegeneinander an; es findet sich die gesamte Bandbreite am Start – von der Elise bis zum letzten Exige Cup V6. FĂŒr die neue Saison des Lotus Europe Cup, die traditionell beim Jim Clark Revival in Hockenheim eingelĂ€utet wird, sind neue Starter und auch VerĂ€nderungen im Feld angekĂŒndigt: So starten etwa in der leistungsstĂ€rksten V6-Cup-Klasse (Exige V6, Evora) sowohl der amtierende Champion Tamas Vizin als auch sein VorgĂ€nger John Rasse, außerdem die 2016er Rennsieger Xavier Georges, Jon Packer und Steve Williams. Hochspannung garantiert.

Beim „Raceclub Germany powered by FNT“ fahren ausschließlich Formel-1- und F-3000-Boliden. Besonders geschichtstrĂ€chtig ist der Toyota TF 108, dessen V8-Motor bis zu 800 PS leistete. Unvergessen, wie Timo Glock beim Finale 2008 schuldlos in die WM-Entscheidung eingriff – als Lewis Hamilton ihn in der der letzten Kurve in Brasilien noch ĂŒberholen konnte und damit Felipe Massa den sicher geglaubten Titel entriss. Toll auch der Toyota TF 105, mit dem Jarno Trulli 2005 die meisten WM-Punkte fĂŒr das japanische Werksteam Toyota einfuhr. Sein HerzstĂŒck, das Zehnzylinder-Triebwerk, lieferte ĂŒber 900 PS – und kreischt heute noch genauso wie damals. Ohrenstöpsel obligat! Außerdem im Starterfeld der topfitten Ahnen aktueller F1-Boliden: ein Jordan EJ11, ein Tyrrell 017, ein Eurobrun 189 sowie ein BMS Dallara. Aus der ehemaligen Formel 3000 mischen unter anderem ein Reynard Cosworth und ein Lola mit.

CANADIAN-AMERICAN Challenge Cup – 800-PS-Geschosse, Spektakel pur Laut, schnell, furchteinflĂ¶ĂŸend: die Rennfahrzeuge des CanAm Cup. Ihr fulminanter Auftritt erinnert an Le-Mans-Starts – und damit verbundene GĂ€nsehautmomente. „Was sie von anderen unterscheidet“, sagt Serienorganisator Peter Schleifer, „ist ihr brutaler Leistungs- und DrehmomentĂŒberschuss.“ Den Ingenieuren waren praktisch keine Grenzen gesetzt, als die Serie 1966 ins Leben gerufen wurde: kein Hubraumlimit, aber Turbolader oder Kompressor gestattet. Lola dominierte anfangs mit dem gerade verstorbenen F1-Weltmeister John Surtees, es folgte die Ära der McLaren, dann ĂŒberrannte der Porsche 917 Turbo das Feld. Die Ölkrise von 1973 beendete das aufregende Treiben. Der heute von Deutschland aus organisierte CanAm Cup schafft es, diesen irgendwie irren Teil der Rennsportgeschichte wiederzubeleben. Im vergangenen Jahr wurde 50jĂ€hriges JubilĂ€um gefeiert. Beim Jim Clark Revival in Hockenheim im Starterfeld: Kultautos wie der McLaren M8F, der Lola T310 oder der March 717 – alle um die 800 PS stark!

Traditionell dabei: FIA Lurani Trophy, Premiere fĂŒr die HRA Classic Formel 3 Treue Zuschauer der Bosch Hockenheim Historic kennen die Mini-Monopostos der FIA Lurani Trophy schon – und wissen: Spannende Rennen sind vorprogrammiert. Im vergangenen Jahr wurde der Titelkampf zwischen Chris Drake im Terrier Mk4 und Manfredo Rossi di Montelera im Lotus in der letzten Rennrunde entschieden. GegrĂŒndet wurde die Rennserie fĂŒr Neueinsteiger 1958 vom Grafen Johnny Lurani, um italienische Fahrer wieder in Grand-Prix-Wagen zu locken.
Was haben Ayrton Senna, Gerhard Berger, Stefan Bellof, Sebastian Vettel, Lewis Hamilton und Max Verstappen gemeinsam? Ihre Karriereleiter fĂŒhrte ĂŒber die Formel 3. Seit mehr als fĂŒnf Jahrzehnten ist sie die HauptausbildungsstĂ€tte fĂŒr den Rennfahrernachwuchs. Nun feiert die „HRA Classic Formel 3“ ihre Premiere bei der Bosch Hockenheim Historic. Mit Formel-3-Boliden der Jahre 1971 bis 1984 bietet die Serie eine Marken- und Epochenklassen-Vielfalt, die man sonst nur in Museen sieht.

Rennsport mit Dach – mit Alfas, Youngtimern und Spezialtourenwagen Die Scuderia Alfa Classico (SAC) sorgt dafĂŒr, dass die ruhmreichen Zeiten und die wunderschönen Modelle des italienischen Automobilbaus nicht in Vergessenheit geraten. Im Schnitt tummeln sich ĂŒber 45 Rennwagen der 60er, 70er und 80er aus ganz Europa auf der Strecke. Die SAC ist in 2 Divisionen eingeteilt. In der ersten sind nur wenige Modifikationen an Fahrwerk, Bremsen, Motoren, Karosserie erlaubt. In der zweiten ist lediglich die Aerodynamik eingeschrĂ€nkt. Seriennahe 2-Liter-16V-TS-Alfa-Modelle sind seit 2015 in der Klasse „Twin Spark Cup“ am Start. Dank stabiler Tourenwagentechnik darf man sich auf Rad-an-Rad-Duelle freuen.

Ausladende HeckflĂŒgel, mĂ€chtig breite KotflĂŒgel und ein faszinierender Sound: Das sind die Kennzeichen der „Spezial Tourenwagen Trophy H&R Cup“. In der seit 1986 ausgetragenen Rennserie treffen Tradition und Moderne aufeinander, GT3-Boliden der Neuzeit auf 30 Jahre alte Tourenwagen – dies verleiht der Serie einen ganz speziellen Reiz. Die Aufteilung in Klassen schafft Ordnung. Es kann am Saisonende sogar der Pilot mit den wenigsten PS ganz oben stehen. Die Spitzenautos der stĂ€rksten Klasse (Mercedes SLS, Porsche Turbo) leisten bis zu 700 PS, in Klasse 2 tummeln sich vor allem GT3-Fahrzeuge. Den gewissen Kick garantieren die Spezialfahrzeuge. Wenn hubraumstarke V8-STAR-Boliden gegen pfeilschnelle DTM-Renner fighten, hĂ€lt es niemand auf den Sitzen.

Drei Divisionen, internationales Starterfeld, beherzte PositionskĂ€mpfe – und klangvolle Autonamen: Die „Youngtimer Tourenwagen Challenge“ begeistert mit Tourenwagen aus den Jahren vor 1990. Beispielsweise aus den 70er-Jahren mit dem BDA Escort, dem Sunbeam Lotus oder der Renault Alpine A310. Die 80er-Jahre reprĂ€sentieren Fahrzeuge wie der Lotus Esprit, die BMW-Modelle E30 M3, M1 und 635CSi, Ferrari, Opel Ascona, Porsche 911 und 944 sowie Renault 21 Turbo.

Zutritt in die Boxen fĂŒr Zuschauer, moderate Eintrittspreise Das absolut Außergewöhnliche an der Bosch Hockenheim Historic ist, dass man als Zuschauer all diese SchĂ€tze und SchĂ€tzchen im Fahrerlager und in den Boxen anschauen kann – und dass Teams und Fahrer auch bereitwillig und gerne Fragen beantworten. Die AtmosphĂ€re ist einfach familiĂ€r! Die Ticketpreise sind moderat, zehn Euro kostet ein Ticket fĂŒr den Freitag, Einzeltickets fĂŒr Samstag/Sonntag gibt’s ab 25 Euro, das Wochenendticket ab 35 Euro. Viele interessante und detaillierte Informationen zu den einzelnen Rennserien und dem Rahmenprogramm finden Sie unter www.hockenheim.historic.de.