Frische Luft von hinten


In der Luft lag der Duft von Benzin. Das klassische Rasseln, Knattern und Bollern von luftgekĂŒhlten Vierzylinder-Motoren bestimmte die GerĂ€uschkulisse im beschaulichen Hessisch Oldendorf in Niedersachsen Am vergangenen Wochenende gastierten mehr als 60.000 Besucher mit 900 klassischen Volkswagen beim inzwischen legendĂ€ren internationalen Veteranen-Treffen an der Weser. Das war ein Rekord. Mit dabei auch die Autostadt aus Wolfsburg und Volkswagen Classic. Die Oldtimer-Abteilung von Volkswagen Nutzfahrzeuge reiste samt Vorstandsetage an.
„Wir sind stolz darauf, die Welt hier in Hessisch Oldendorf zu Gast haben zu dĂŒrfen“, sagte BĂŒrgermeister Harald KrĂŒger und verwies damit auf einen gelben KĂ€fer und einen T1. Es waren die luftgekĂŒhlten Modelle mit der weitesten Anreise. Insgesamt drei Monate und 20.000 Kilometer liegen hinter fĂŒnf Enthusiasten aus Malaysia, nachdem sie auf eigener Achse angereist sind.

Das alle vier Jahre stattfindende „HO“-Treffen geht auf eine Initiative der Familie Grundmann zurĂŒck. Traugott Grundmann ist eingefleischter Jagdflieger. WĂ€hrend seiner Dienstzeit in den USA begann er, alte Volkswagen zu sammeln und brachte sie schließlich mit nach Hause nach Stadtoldendorf. Zusammen mit seinem Sohn Christian ist er eine treibende Kraft hinter der Veteranen-Veranstaltung. Ein Highlight war fĂŒr viele Besucher sicherlich die Ausfahrt von mehr als zehn Volkswagen Typ 166 Schwimmwagen. Sie absolvierten sprichwörtlich eine Strecke vom Typ Stadt, Land, Fluss. In einem Rundkurs fĂŒhrte sie ihre Route von Hessisch Oldendorf ĂŒber Hameln, durch die Weser zurĂŒck zum Zentrum des Veteranentreffens. Am FĂ€hranleger im Ortsteil Großenwieden herrschte bei ihrer Ankunft Volksfeststimmung.

Am Nachmittag sammelten sich wieder alle Teilnehmer gemeinsam mit ihren Klassikern in den engen Straßen der Altstadt. Stoßstange an Stoßstange schoben sich unzĂ€hlige VW T1 ihren zugewiesenen ParkplĂ€tzen – direkt vor den kleinen FachwerkhĂ€usern – entgegen. So ein Straßenbild hat es noch nicht einmal in den 1950er- oder 1960er-Jahren gegeben.

Die Autostadt brachte neben seltenen Prototypen des spĂ€teren KĂ€fers auch ein Schnittmodell aus dem Jahr 1947 mit zur Veranstaltung. Am Stand auf dem zentralen Kirchplatz konnten Kinder auf einem Mini-Beetle-Simulator ihren ersten „FĂŒhrerschein“ erwerben. Volkswagen Classic prĂ€sentierte mit Herbie einen echten Filmstar aus den 1960er-Jahren. Die Leinwand-Helden ein Jahrzehnt zuvor fuhren gerne ein HebmĂŒller-Cabriolet. Mehr als sechs Exemplare dieses wohl schönsten KĂ€fers standen nebeneinander an zentraler Stelle und prĂ€sentierten ihren wunderschönen „RĂŒcken“.

Text / Fotos:
Tim Westermann / Alexander Voigt