Weber Flachstrom-Doppel-Vergaser ĂŒberholen


Wenn man in den 1960er, 70er und auch 80er Jahren von leistungsgesteigerten Motoren sprach, kam immer wieder der Name „Weber“ ins Spiel, denn Weber Flachstrom-Doppel-Vergaser waren hier das Non-Plus-Ultra. Zugegebener Maßen auch damals schon sehr kostspielig, aber dennoch auf dem Siegeszug weil sehr zuverlĂ€ssig. Doch die ZuverlĂ€ssigkeit dieser Vergaser hĂ€ngt auch sehr von ihrer Pflege und der richtigen Einstellung ab. Wir wollen in diesem Beitrag die Funktions-Elemente des Weber-Vergasers ganz genau betrachten. Neben den Weber Doppel Vergasern gibt es außerdem Solex- und Dellorto-Doppelvergaser. Der Unterschied ist gering. Bei den Dellorto Doppelvergasern sind es mehr DĂŒsen und somit lassen sie sich feiner einstellen, was aber auch zu mehr Fehlern fĂŒhren kann. Ersatzteile fĂŒr Dellorto Doppelvergaser sind auch nur noch schwer zu finden. Dellorto Vergaser kamen vor allem bei Alfa Romeo in den Einsatz, wurden aber dann meist durch Weber Vergaser ersetzt.

Beginnen wir nun mit der Betrachtung des Weber-Vergasers. Die gĂ€ngigsten Flachstrom Doppelvergaser sind die Weber DCOE Modelle. Ihr Aufbau ist im Grunde immer gleich. Unter einem runden Deckel mit einer FlĂŒgelschraube liegen die LeerlaufdĂŒsen und die Mischrohre. Schon hier erkennen wir bei unserem Vergaser, dass die Dichtung zwischen Schwimmerkammer-GehĂ€suse und dem runden Deckel hart und zusammengedrĂŒckt ist. So dichtet dieser Deckel nicht mehr ab. Um nun die LeerlaufdĂŒsen und die Mischrohre herauszuschrauben, nehmen wir im nĂ€chsten Schritt den Schwimmerkammer-Deckel ab. NatĂŒrlich könnte man die DĂŒsen auch durch die kleine Öffnung herausschrauben, da wir aber den gesamten Vergaser ĂŒberholen, ist dies einfacher. Betrachten wir nun das herausgeschraubte Gemischrohr. Dieses Rohr ist fĂŒr die Kraftstoff-Luftgemisch Aufbereitung verantwortlich. Daher hat das Gemischrohr auch mehrere kleine Löcher entlang des Rohrs. Unten am Gemischrohr sitzt die HauptdĂŒse, eine kegelförmige DĂŒse. Diese DĂŒse steuert die Kraftstoffmenge. Die GrĂ¶ĂŸe der DĂŒse ist austauschbar, sollte aber an den Motor angepasst sein. Die GrĂ¶ĂŸe steht auf der DĂŒse, findet man sie nicht, kann man sie mit der DĂŒsenlehre messen. Oben auf dem Mischrohr sitzt die Luft-Korrektur-DĂŒse, die die Menge der Luftzufuhr steuert. Bei Volllast begrenzt diese DĂŒse das Luftgemisch, um eine Überfettung zu verhindern. Der DĂŒsenhalter sitzt ĂŒber der Luft-Korrektur-DĂŒse. Die LeerlaufdĂŒse fördert den Kraftstoff im Leerlauf ĂŒber die HauptdĂŒse und fördert sie zu der Leerlaufeinstellschraube unterhalb der Drosselklappe.

Über die HauptdĂŒse wird das Luft-Kraftstoff-Gemisch ĂŒber die VorzerstĂ€uberdĂŒse im Ansaugkanal in das Venturi-Rohr und damit in den Motorraum „gesaugt“. Das Venturi-Rohr verengt sich nach unten hin und erzeugt daher einen großen Sog. Die VorzerstĂ€uberdĂŒse im Ansaugrohr hat auch eine vorgegebene GrĂ¶ĂŸe, die sich an der Seite des Rohrs ablesen lĂ€sst und anhand einer Fahrzeugspezifischen Liste bestimmt werden kann. Um das Ansaugrohr zu lösen und herauszunehmen, mĂŒssen die Drosselklappen entfernt werden. Seitlich werden die Konus-Schrauben gelöst, die das Rohr halten. Mit einem HolzstĂŒck wird nun vorsichtig das Rohr gelöst und kann dann herausgenommen werden. Dahinter sitzt auch gleich das Venturi Rohr, das ebenfalls herausnehmbar ist. Das Ansaugrohr und das Venturi haben manchmal leichte Gussgrate. Vor allem wenn man neue Ersatzteile besorgt, die nicht mehr bei Weber in Italien produziert wurden. Diese Grate sollte man mit einem feinen Schleifpapier beseitigen, damit der Luftstrom nicht abgelenkt wird.

Um im Falle einer schlagartigen Beschleunigung zu verhindern, dass das Luft-Kraftstoff-Gemisch abmagert, sind zwei DĂŒsen mit der Beschleunigungspumpe verbunden. Diese DĂŒsen findet man oberhalb der Leerlaufschraube an der Außenseite des Vergaser-GehĂ€uses. Die DĂŒsen können nur in eine Richtung eingebaut werden. Unterhalb der Stufe a der DĂŒse, sitzt eine feine Aluminium Scheibe, die nicht vergessen werden darf, da diese Abdichtet. Gehalten wird die DĂŒse von einem Schraubdeckel. An diesem ist ein Gummi-O-Ring angebracht. Diesen sollte man bei der Überholung immer wechseln, da ansonsten Falschluft angesaugt werden kann. Unterhalb der Beschleuniger-DĂŒsen sitzt noch eine Sechskantschraube unter der sich drei Übergangsbohrungen befinden. Diese Bohrungen dĂŒrfen nicht verstopft sein, denn sie gewĂ€hren eine entsprechende Luftzufuhr.

Die Beschleunigerpumpe ist ebenfalls im SchwimmergehĂ€use zu finden. Wenn man das GasgestĂ€nge dreht, sieht man die Funktion der Pumpe. Es sind kleine Kolben mit der Pumpe verbunden, die den Kraftstoff in das Venturi Rohr pumpen. Dieses System kann man ebenfalls austauschen, aber in der Regel geht dies nicht kaputt. Bei lĂ€ngerer Lagerung sollte etwas Öl in das System gegeben werden. Auch der Kaltstart-Regler steuert zwei Kolben, die entsprechend die Kraftstoff-Regelung ĂŒbernehmen. Der Hebel bewegt zwei Zahnradgesteuerte Schieber, die jeweils einen Kolben schieben. Die Kolben sollten frei laufen. Ist dies nicht der Fall, mĂŒssen die Kolben herausgenommen und gereinigt werden.
Ein sehr wichtiger Aspekt bei Weber-Vergasern ist die Funktion der Drosselklappen. Diese sollten im Leerlauf immer komplett geschlossen sein. In unserem Fall erkennt man, dass sich die Klappen nicht ganz schließen. Dies wĂŒrde bedeuten, dass im Leerlauf zu viel Luft in den Motorraum strömt. Die LeerlaufdĂŒse fördert dann zu wenig Benzin und es entsteht ein zu hoch angereichertes Luftgemisch. Folge ist ein unrunder, bzw. zu hoher Leerlauf, der sich nur schlecht herunterregeln lĂ€sst. Um die Drosselklappen zu lösen, mĂŒssen die beiden kleinen Schrauben auf der Drosselwelle herausgeschraubt werden. Sitzen diese zu fest, hilft es, die Schrauben mit einer Gasflamme zu erhitzen. Die Drosselklappen lassen sich nach dem Entfernen der Schrauben leicht herausziehen.

Die Drosselwelle kann erst herausgezogen werden, wenn der Arretier-Stift an des Druckhebels an der Beschleunigungspumpe gelöst ist. Dieser muss vorsichtig herausgetrieben werden. Wir haben einen alten 1,5mm-Bohrer umgedreht und mit ganz sanften SchlĂ€gen mit dem Hammer den Stift durchgetrieben. Niemals sollte man an der Drosselklappenwelle große Gewalt anwenden. Wenn sie sich verbiegt, ist der Vergaser nicht mehr zu verwenden, da sie nicht mehr herauszunehmen geht. Die Lagerung der Welle ist durch Kugellager unterstĂŒtzt. Daher sind hier meist keine Fehler zu erwarten. Die Drosselklappenwelle, sowie auch andere Teile wie das Ansaugrohr, Venturi und die einzelnen DĂŒsen kann man ĂŒbrigens stets nachkaufen.

Zuletzt betrachten wir jetzt noch den Deckel mit dem Schwimmer und dem Schwimmernadelventil. Stellt man den Deckel in einem 90 Grad Winkel auf, so sollte der Schwimmer ganz parallel hĂ€ngen. Bei zu gefĂŒllter Schwimmerkammer drĂŒckt der Schwimmer auf das Schwimmernadelventil und schließt die Kraftstoffzufuhr. Oberhalb des Schwimmernadelventils sitzt noch ein Filter, der von außen am Deckel zugĂ€nglich ist.